Katherina Reiche: Die Dinosaurier-Ministerin

Durch | Mai 6, 2026
Museum exhibit showing a large mounted dinosaur skeleton with a long neck and tail, displayed on a platform with information plaques nearby.

Kommentar. Seit Katherina Reiche (CDU) am 6. Mai 2025 das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie übernommen hat, steuert die deutsche Energiepolitik einen klaren Kurs zurück in die fossile Vergangenheit. Die ehemalige Vorstandsvorsitzende von Westenergie, einer der größten Gasnetzbetreiber des Landes und Eon-Tochter, setzt konsequent auf Öl und Gas. Statt den Ausbau von Solar- und Windkraft zu beschleunigen, bremst sie die Erneuerbaren massiv aus. Kritiker nennen sie zu Recht die „Dinosaurier-Ministerin“.

Reiche rechtfertigt ihren Kurs mit Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit. Sie fordert mehr Flexibilität bei den EU-Klimazielen und drängt auf den Bau neuer Gaskraftwerke. Ursprünglich plante sie mindestens 20 Gigawatt Kapazität, inzwischen sind es Ausschreibungen für rund 12 Gigawatt bis 2031 – vor allem gasbefeuerte Anlagen, die den Kohleausstieg flankieren und „Dunkelflauten“ bei Erneuerbaren ausgleichen sollen. Gleichzeitig kritisiert sie den bisherigen Ausbau der Erneuerbaren als überstürzt und teuer.

Solar wird systematisch ausgebremst

Konkret treibt Reiche eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) voran, die den Solar-Boom der letzten Jahre gezielt abdrosselt. Die feste Einspeisevergütung für neue kleine Photovoltaik-Anlagen bis 25 kWp soll ab 2027 komplett wegfallen. Betreiber müssen künftig auf Direktvermarktung umstellen – eine Hürde, die vor allem private Hausbesitzer und Bürgerenergieprojekte trifft. Strengere Regeln beim Netzausbau, fehlende Entschädigungen bei Abregelung und die Forderung „Netz vor Ausbau“ sorgen dafür, dass neue Solar- und Windprojekte langsamer vorankommen.

Deutschland deckt derzeit nur etwa ein Fünftel seines Energieverbrauchs mit Erneuerbaren. Reiche sieht darin kein Erfolgsmodell, sondern strukturelle Defizite – verschärft durch den Kernkraftausstieg. Ihre Lösung: längere fossile Brücken, die Industrie und Haushalte vor hohen Preisen und Blackouts schützen sollen. In der Praxis bedeutet das: Milliarden für neue Gasanlagen statt konsequenten Ausbau dezentraler, günstiger Erneuerbarer.

Cui bono? Die Gaslobby triumphiert

Die Frage „Cui bono?“ beantwortet sich fast von selbst. Reiche kommt direkt aus der Gaswirtschaft. Ihre Politik sichert langfristige Einnahmen und Investitionen für etablierte Konzerne wie Eon, RWE oder EnBW. Neue Gaskraftwerke schaffen planbare Renditen auf Jahrzehnte – subventioniert aus Steuergeldern oder dem Klima- und Transformationsfonds. Unabhängige Solarfirmen, Mittelständler und Bürgergenossenschaften hingegen verlieren massiv an Schwung. Der Solar-Boom droht zu erlahmen, während Importabhängigkeit von Gas aus Norwegen, den USA oder anderen Quellen bleibt.

Wirtschaftsverbände loben den „pragmatischen“ Kurs und hoffen auf kurzfristig stabilere Preise. Umweltverbände, Klimaschützer und Teile der Branche warnen hingegen vor einem fatalen Lock-in-Effekt: Neue Gasanlagen binden Kapital für Jahrzehnte, verzögern den echten Systemumbau und machen Deutschland anfälliger für volatile Weltmarktpreise. Statt Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen, riskiert Reiche teure Abhängigkeiten und verpasste Chancen bei Speichern, Netzen und Wasserstoff.

Ein gefährlicher Richtungswechsel

Reiche spricht von „ernsthafter Energiepolitik“ statt „Selbsttäuschung“. Der rasante Ausbau unter Vorgänger Robert Habeck habe Netze überfordert und Kosten in die Höhe getrieben. Ihre „Fitnesskur“ soll Industrieabwanderung verhindern. Doch die Kritik wird lauter: Ihre Pläne verunsichern Investoren, bremsen Innovationen und schwächen den Industriestandort langfristig. Volatile Gaspreise, drohende CO?-Zölle und verspätete Investitionen in echte Zukunftstechnologien könnten die Kosten explodieren lassen.

Die Debatte um Katherina Reiche offenbart eine tiefe Spaltung. Für die einen ist sie die Realistin, die nach Energiekrise Fakten schafft. Für die anderen die Fossil-Ministerin, die das Erfolgsmodell dezentraler Erneuerbarer zugunsten alter Konzernstrukturen opfert – zum Schaden von Klima, Verbrauchern und der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Ob dieser Kurs tatsächlich Sicherheit und Bezahlbarkeit bringt oder nur einen teuren, klimaschädlichen Rückschritt darstellt, wird sich an steigenden Preisen, versorgungstechnischen Risiken und verpassten Klimazielen zeigen. Die Zeichen stehen derzeit auf teurem Stillstand.

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