Ein internationales Forschungsteam hat erstmals das Genom des Zweifinger-Faultiers sequenziert und analysiert. Dabei stießen die Wissenschaftler auf faultierspezifische „springende Gene“ (Transposons), die seit etwa 30 Millionen Jahren erhalten geblieben sind und eng mit dem extrem langsamen Stoffwechsel der Tiere zusammenhängen.
Faultiere sind die langsamsten Säugetiere der Welt und besitzen den niedrigsten Stoffwechsel unter allen Säugetieren. Sie verbringen den Großteil ihres Lebens regungslos in den Bäumen des Regenwaldes und können ihre Körpertemperatur teilweise der Umgebung anpassen. Die neu identifizierten aktiven Transposons stehen in Verbindung mit den Mitochondrien – den Energieproduzenten der Zellen – und beeinflussen Stoffwechselwege. Im Gegensatz zu den meist inaktiven Transposons im menschlichen Genom sind diese bei Faultieren funktionell und evolutionär verankert.
Die Studie, die in der Fachzeitschrift „BMC Biology“ erschienen ist, basiert auf DNA-Proben eines in menschlicher Obhut lebenden Zweifinger-Faultiers. Die Sequenzierung erfolgte am Max-Planck-Institut in Dresden. Durch vergleichende Genomik mit anderen Säugetieren wie Ameisenbären und Gürteltieren konnten die Forscher die einzigartigen Anpassungen der Faultiere nachvollziehen.
Die Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für die Erforschung von Stoffwechselerkrankungen, Alterungsprozessen und energiebezogenen Erkrankungen beim Menschen. Faultier-Zelllinien könnten künftig als Modellsystem dienen, um zu verstehen, wie Organismen mit geringer Energieproduktion effizient umgehen.
Beteiligt waren unter anderem das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) in Berlin, das Wellcome Sanger Institute in Cambridge und das Hospital Sírio Libanês in São Paulo. Die Forschung wurde von Wellcome, dem EU-Programm Horizont 2020 und der São Paulo Research Foundation gefördert.
Originalpublikation:
Uliano-Silva M, da Conceição HB, Mercuri RLV, Winkler S, Guardia GDA, Myers E, McCarthy S, Tracey A, Suh A, Blaxter M, Galante PAF, Mazzoni CJ (2026): Elevated retrocopy burden and sloth-specific expansions illuminate mammalian genome evolution. BMC Biology. DOI: 10.1186/s12915-026-02632-5

