Ein dänisches Industriekonsortium will gebrauchte Leiterplatten (PCBs) aus Elektroschrott vor der Zerstörung in Hochtemperaturverfahren bewahren. Das Projekt CIRCUIT zielt darauf ab, wertvolle Komponenten wiederzuverwenden und kritische Rohstoffe zurückzugewinnen, um die Abhängigkeit Europas von Importen zu verringern und den CO2-Fußabdruck von Elektronik zu senken.
Elektroschrott ist einer der am schnellsten wachsenden Abfallströme weltweit. Leiterplatten enthalten jedoch große Mengen kritischer und strategischer Rohstoffe, die bisher oft verloren gehen. Das Projekt verfolgt drei Ansätze: schonende Demontage und Wiederverwendung von Komponenten, Entwicklung klimafreundlicherer Designprinzipien für neue Leiterplatten sowie die Rückgewinnung von Rohstoffen.
„Wenn wir Elektronik wegwerfen, verschwenden wir Materialien und Komponenten, die Europa dringend braucht“, erklärte Projektleiterin Aisha Rafique vom Danish Technological Institute. Besonders schwierig sei die Demontage aufgrund von Epoxidharz-Beschichtungen. Neue Verfahren sollen funktionsfähige Bauteile schonend lösen und qualitätssichern.
Für die Rohstoffrückgewinnung setzt das Konsortium auf eine Schmelzsalz-Technologie von Nordic Salt Cycle, die bei niedrigeren Temperaturen Tantal und Seltene Erden gewinnen kann. Die beteiligten Unternehmen wie El Recycling, LINAK, DEIF und HJHansen Recycling Group sehen in dem Projekt Chancen für eine stärkere Kreislaufwirtschaft in der Elektronikbranche.
Das Vorhaben soll auch die Versorgungssicherheit Europas stärken, die durch Exportbeschränkungen und Krisen wie den Chipmangel 2020–2023 gefährdet ist. Es leistet damit einen Beitrag zu den Zielen des EU Critical Raw Materials Act.

