Frankfurt – Die Senckenberg Ocean Species Alliance hat für das aktuelle Update der IUCN Roten Liste das Aussterberisiko von 17 bisher nicht erfassten Weichtierarten aus hydrothermalen Quellen bewertet. Die neue Aktualisierung zeigt, dass inzwischen 62 Prozent der weltweit bewerteten endemischen Weichtiere dieser Tiefsee-Ökosysteme als bedroht gelten. Hauptursache ist die zunehmende Erschließung mineralischer Rohstoffe in der Tiefsee.
Die hydrothermalen Quellen in rund 5.000 Metern Wassertiefe beherbergen einzigartige, ausschließlich dort vorkommende Lebensgemeinschaften. Die 17 neu bewerteten Arten ergänzen die bereits mehr als 180 erfassten endemischen Weichtierarten dieser Lebensräume. Von den 17 Arten gelten elf als bedroht.
Ein Beispiel ist die Tiefseeschnecke Lirapex felix, die ausschließlich an einem einzigen Hydrothermalfeld im Indischen Ozean vorkommt. Aufgrund dortiger Explorationsaktivitäten wurde sie als vom Aussterben bedroht eingestuft. Im Gegensatz dazu gilt Provanna exquisita, deren Lebensraum in einem Meeresschutzgebiet im Pazifik liegt, als nicht gefährdet.
Viele Arten an Hydrothermalquellen sind auf ein einziges Quellensystem beschränkt. Wird dieses durch Bergbau beeinträchtigt oder zerstört, kann dies das vollständige Aussterben einer Art bedeuten.
Die Senckenberg Ocean Species Alliance (SOSA) und die von ihr geleitete Marine Invertebrates Red List Authority (MIRLA) wollen künftig mehr als 500 weitere Arten aus hydrothermalen Quellen bewerten, darunter auch Tiefseewürmer und Krebstiere. Die aktuellen Bewertungen erfolgen zeitgleich mit der 31. Sitzung der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) in Kingston (Jamaika), bei der über zukünftige Regelungen für einen möglichen kommerziellen Tiefseebergbau beraten wird.
Vertreterinnen der Senckenberg Ocean Species Alliance nehmen als Beobachterinnen an der ISA-Sitzung teil und informieren dort über die Bedeutung taxonomischer Forschung und Gefährdungsbewertungen als Grundlage für den Schutz der Tiefsee. Die Forschenden betonen, dass wissenschaftliche Daten eine zentrale Voraussetzung für fundierte Entscheidungen über die Nutzung der Tiefsee darstellen.

