Massive Bodendegradation in Kriegsgebieten wie Gaza nachgewiesen

Durch | Juli 13, 2026
Der nördliche Teil des Gazastreifens (gelb umrandet) im September 2025. Rot kennzeichnet die Vegetationsflächen. | Quelle: ESA: Sentinel-2 | Copyright: Progress in Physical Geography

Ein Forschungsteam der Freien Universität Bozen hat eine vollständig reproduzierbare Methode vorgestellt, mit der sich kriegsbedingte Bodendegradation mithilfe frei verfügbarer Satellitendaten und Open-Source-Software auch in unzugänglichen Gebieten analysieren lässt. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Progress in Physical Geography: Earth and Environment veröffentlicht.

Die Methode nutzt Daten der Sentinel-2-Satelliten, die Plattform Google Earth Engine sowie den KI-gestützten Datensatz Dynamic World zur Klassifizierung der Bodenbedeckung. Der gesamte Auswertungsprozess wurde auf GitHub veröffentlicht und steht damit für weitere Anwendungen in anderen Konfliktregionen oder degradationsgefährdeten Gebieten offen.

Zur Überprüfung der Methode untersuchten die Forschenden die Entwicklung im Gazastreifen zwischen September 2023 und September 2025 und verglichen sie mit vergleichbaren Gebieten in Israel. Die Satellitenauswertung ergab deutliche Unterschiede: Die Vegetationsflächen im Gazastreifen gingen im Untersuchungszeitraum um 65 Prozent zurück – von 5.941 auf 2.056 Hektar. Gleichzeitig vergrößerte sich die Fläche freiliegender Böden um 351 Prozent, von 3.918 auf 17.663 Hektar. In den israelischen Vergleichsgebieten fielen die Veränderungen deutlich geringer aus.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die starken Veränderungen im Gazastreifen auf die Folgen des bewaffneten Konflikts zurückzuführen sind. Die Forschenden weisen darauf hin, dass Bodendegradation in Kriegsgebieten langfristige ökologische, gesundheitliche und gesellschaftliche Folgen haben kann, die oft Jahrzehnte über das Ende der Kampfhandlungen hinausreichen.

Die Studie ist Teil eines Forschungsschwerpunkts der Freien Universität Bozen zur Erfassung von Umweltschäden bewaffneter Konflikte mithilfe von Erdbeobachtung. Sie erweitert einen früheren Ansatz zur Erkennung kriegsbedingter Waldverluste in der Ukraine auf die Analyse von Bodendegradation und stellt erstmals eine vollständig offene und reproduzierbare Methode auf Basis öffentlich zugänglicher Daten zur Verfügung.

Originalpublikation:
Soil health in a conflict-affected area: An open-source Google Earth Engine framework to map land degradation in Gaza
https://doi.org/10.1177/03091333261461125

Der nördliche Teil des Gazastreifens (gelb umrandet) im September 2025. Rot kennzeichnet die Vegetationsflächen. | Quelle: ESA: Sentinel-2 | Copyright: Progress in Physical Geography
Der nördliche Teil des Gazastreifens gelb umrandet im September 2025 Rot kennzeichnet die Vegetationsflächen | Quelle ESA Sentinel 2 | Copyright Progress in Physical Geography
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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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