
Die Hitzewelle im Juni 2026 zählt zu den extremsten, die Europa je erlebt hat. Das zeigt eine Analyse des Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology (CEDIM) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). In Deutschland verzeichneten 252 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes neue Allzeitrekorde bei den Tageshöchsttemperaturen. Europaweit übertraf die räumliche Ausdehnung der Hitzeperiode alles, was seit Beginn der Wetteraufzeichnungen beobachtet wurde.
Besonders ungewöhnlich waren die hohen Nachttemperaturen, die Mensch und Umwelt kaum Erholung ermöglichten. Das Robert Koch-Institut schätzt die gesundheitlichen Folgen in Deutschland auf bis zu 5.200 Todesfälle.
Die Hitze wirkte sich auch stark auf Gewässer aus. In vielen Flüssen stiegen die Wassertemperaturen auf kritische Werte. An der Obermosel sank der Sauerstoffgehalt zeitweise auf 2,6 Milligramm pro Liter. Rhein und Mosel überschritten stellenweise 28 Grad Celsius. Die Folgen waren frühzeitiges Niedrigwasser, Fischsterben und Einschränkungen für die Schifffahrt sowie die Nutzung als Kühlwasser für Industrie und Energiewirtschaft.
Das CEDIM-Team weist auf Kaskadeneffekte hin. Während die Photovoltaikproduktion in Deutschland im Zeitraum vom 13. bis 29. Juni um rund 31 Prozent zunahm, ging die Windstromerzeugung gleichzeitig um fast 29 Prozent zurück. In Kombination mit niedrigen Flusspegeln und hohen Kühlwassertemperaturen gerieten mehrere Versorgungssysteme gleichzeitig unter Druck.
Die Forschenden sehen anhaltende Hitzeperioden zunehmend als Systemrisiko für Europa. Die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Infrastrukturen und Ökosystemen würden künftig entscheidend für die Bewältigung solcher Ereignisse sein. Die Analyse wurde als Forensic Disaster Analysis (FDA) veröffentlicht.


