Ein Sprung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) über die Artengrenze hinaus – also eine Infektion anderer Säugetiere oder des Menschen – gilt nach dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand als äußerst unwahrscheinlich und wird nicht als realistisches Worst-Case-Szenario betrachtet.
Warum ein Artensprung sehr unwahrscheinlich ist
- Enge Wirtsspezifität: Das ASP-Virus (ASFV) infiziert ausschließlich Mitglieder der Familie der Schweine (Suidae). Dazu gehören Hausschweine, eurasische Wildschweine sowie afrikanische Arten wie Warzen- und Buschschweine. Andere Säugetiere (Hunde, Katzen, Rinder, Rehe usw.) und der Mensch sind nicht empfänglich.
- Fehlende Rezeptoren: Menschliche Zellen besitzen keine geeigneten Rezeptoren, an die das Virus andocken könnte.
- Stabile DNA-Struktur: ASFV ist ein DNA-Virus mit sehr niedriger Mutationsrate und effizienten Korrekturmechanismen. Im Gegensatz zu RNA-Viren (z. B. Influenza oder Coronaviren) verändert es sich genetisch nur sehr langsam.
- Keine dokumentierten Fälle: Weder natürlich noch experimentell wurde bisher eine Infektion außerhalb der Suidae nachgewiesen. Das Virus gilt klar als nicht zoonotisch.
Was wäre theoretisch der absolute Worst Case?
Ein hypothetischer Artensprung auf den Menschen oder andere Haustiere würde bedeuten:
- Das Virus müsste grundlegende biologische Hürden überwinden (Rezeptorbindung, erfolgreiche Vermehrung in fremden Zellen, Übertragbarkeit).
- Bei hoher Virulenz könnte dies zu einer neuen, schwer behandelbaren Erkrankung führen.
- Eine mögliche Mensch-zu-Mensch-Übertragung würde pandemisches Potenzial eröffnen.
Solche Szenarien werden von Fachleuten (BfR, FLI, FAO, WOAH) jedoch als vernachlässigbar eingestuft. Das Risiko liegt weit unter dem anderer Erreger, die bereits häufiger die Artengrenze überschritten haben (z. B. Influenza).
Reale Risiken der ASP
Die tatsächlichen Gefahren liegen nicht im Artensprung, sondern in:
- der fast 100-prozentigen Sterblichkeit bei Wild- und Hausschweinen,
- massiven wirtschaftlichen Schäden in der Schweinehaltung,
- ökologischen Veränderungen durch den Zusammenbruch von Wildschweinpopulationen,
- der passiven Verschleppung durch den Menschen (kontaminierte Lebensmittel, Ausrüstung, Fahrzeuge).
Fazit: Ein Sprung der ASP über die Artengrenze ist nach derzeitigem Wissensstand kein realistisches Worst-Case-Szenario. Die Seuche bleibt auf Schweine beschränkt.

