Die Entwicklung und der Einsatz von Impfstoffen gegen ASP sind eines der komplexesten Themen der aktuellen Tierseuchenbekämpfung. Stand August 2026 gibt es noch keinen in der EU zugelassenen Impfstoff.
1. Aktueller Stand der Impfstoffentwicklung
Zugelassene Impfstoffe (außerhalb Europas):
- Vietnam war 2022 das erste Land weltweit, das zwei attenuierte Lebendimpfstoffe (AVAC ASF LIVE und NAVET-ASFVAC) kommerziell zugelassen hat. Diese basieren auf Genotyp-II-Stämmen.
- Weitere asiatische Länder (u. a. Philippinen) prüfen oder nutzen diese oder ähnliche Impfstoffe.
- In Afrika und Europa gelten die verfügbaren Impfstoffe nach Einschätzung der WOAH (Weltorganisation für Tiergesundheit) noch nicht als ausreichend sicher und wirksam nach internationalen Standards.
Probleme der aktuellen Impfstoffe:
- Es handelt sich um Lebendimpfstoffe (attenuierte Viren). Sie können unter bestimmten Bedingungen wieder virulent werden.
- Kein DIVA-Prinzip (Differentiating Infected from Vaccinated Animals) – geimpfte und natürlich infizierte Tiere sind serologisch nicht unterscheidbar.
- Begrenzter Kreuzschutz gegen andere Genotypen (in Afrika zirkulieren 24 Genotypen, in Europa vor allem Genotyp II).
- Mögliche Beeinträchtigung der Reproduktionsleistung.
2. Mögliche Impfstrategien
| Strategie | Beschreibung | Vorteile | Nachteile / Risiken | Geeignet für |
|---|---|---|---|---|
| Ringimpfung | Impfung um einen Ausbruch herum | Begrenzt die Ausbreitung | Logistisch aufwendig | Hausschweinebestände |
| Barrier-Impfung | Impfung entlang von Grenzen oder Sperrzonen | Verhindert Einschleppung | Hoher Aufwand, teuer | Grenzregionen |
| Flächendeckende Impfung | Alle Schweine in einer Region | Starker Schutz | Sehr teuer, erschwert Surveillance | Endemische Gebiete |
| Gezielte Impfung | Nur Hochrisikobestände oder Zuchttiere | Kosteneffizient | Lücken im Schutz | Intensive Schweinehaltung |
| Orale Köderimpfung | Impfstoff in Ködern für Wildschweine | Erreicht Wildschweine | Schwer kontrollierbar, Umweltaspekte | Wildschweinpopulationen |
3. Situation in der EU und Deutschland
- In der EU und Deutschland ist keine Impfung gegen ASP zugelassen oder vorgesehen.
- Die EU-Strategie setzt weiterhin auf:
- Früherkennung
- Radikale Tilgung (Keulung)
- Strenge Biosicherheit
- Zonierung und Handelsbeschränkungen
- Ein Horizon-Europe-Projekt (ASFaVIP) unter Beteiligung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) arbeitet an der Entwicklung eines für Europa geeigneten Impfstoffs, der den hohen Sicherheitsanforderungen genügt.
4. Bewertung und Ausblick
Vorteile einer Impfung:
- Reduzierung der Sterblichkeit und wirtschaftlichen Schäden
- Möglichkeit, die Seuche in endemischen Gebieten zu kontrollieren
- Schutz von Wildschweinpopulationen (über orale Impfung)
Risiken und Herausforderungen:
- Lebendimpfstoffe können das Virus in die Umwelt bringen und die Seuchenlage verschleiern.
- Ohne DIVA-Diagnostik wird die Überwachung extrem erschwert.
- In Regionen mit schlechter Biosicherheit kann Impfung kontraproduktiv sein (Virus zirkuliert weiter).
- Für Europa gilt: Solange kein hochsicherer, DIVA-kompatibler Impfstoff verfügbar ist, bleibt die Nicht-Impfung die bevorzugte Strategie.
Fazit:
Impfung gegen ASP ist technisch möglich und in Teilen Asiens bereits Praxis. Für Europa und Deutschland ist sie derzeit jedoch weder zugelassen noch strategisch vorgesehen. Die Forschung konzentriert sich auf sicherere Impfstoffe der nächsten Generation. Bis dahin bleiben Biosicherheit, Früherkennung und konsequente Bekämpfungsmaßnahmen die zentralen Säulen der ASP-Kontrolle.

