
Der Schutz von Wildtieren gewinnt beim Ausbau der Windkraft massiv an Bedeutung. Während in den politischen Debatten bisher meist der Rotmilan als Paradebeispiel für gefährdete Arten herangezogen wurde, rücken nun auch andere Spezies in den Fokus der Technologieentwicklung. Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) hat vor diesem Hintergrund sein KI-gestütztes Anti-Kollisionssystem „BirdRecorder“ umfassend weiterentwickelt. Unter dem Namen „Bird- und BatRecorder 2.0“ (BBR 2.0) kann die neue Systemgeneration neben Greifvögeln erstmals auch Fledermäuse erfassen. In Kooperation mit dem Energiewende-Unternehmen ABO Energy startet ab sofort eine mehrwöchige Praxiskampagne in realen Windparks, um das System im Live-Betrieb zu testen.
Das Kernkonzept basiert auf einer künstlichen Intelligenz (KI), die den Luftraum mithilfe hochauflösender Kameras scannt. Nähert sich ein geschütztes Tier einer Windenergieanlage, wertet das System die Flugroute aus, um bei einer drohenden Kollision rechtzeitig ein Abschaltsignal an das Windrad zu senden. In der aktuell anlaufenden Projektphase geht es den Forschenden vor allem darum, verlässliche Trainings- und Validierungsdaten unter realen Feldbedingungen zu sammeln. Die KI-Modelle werden dabei schrittweise auf weitere sensible Arten trainiert. Neben dem Rotmilan soll das System künftig auch Weißstörche, Wespenbussarde, Weihen und Fledermäuse sicher voneinander unterscheiden und tracken können.

Ein wesentlicher technologischer Fortschritt der Version 2.0 ist die Flexibilität beim Aufbau. Für die Feldversuche greift das ZSW auf eine autarke Trailer-Lösung zurück, die für jeweils rund drei Wochen im Umfeld einer Windkraftanlage positioniert wird. Dieser mobile Anhänger agiert physisch und informationstechnisch vollkommen unabhängig von der Infrastruktur des Windparks. Die Stromversorgung wird über integrierte Photovoltaikmodule und Speicherbatterien gewährleistet, während die gesammelten Daten direkt über das Mobilfunknetz an die Forschungseinrichtung übertragen werden.
Während am Tag die optischen Kameras den Himmel überwachen, sorgt eine speziell angepasste Sensorik in den Nachtstunden für eine verlässliche Erfassung von Fledermäusen, ohne dass dafür blinkende Lichtsignale oder störende Geräusche eingesetzt werden müssen. Auch der Datenschutz wurde bei der Systemarchitektur berücksichtigt: Bodennahe Zonen, in denen Fahrzeuge, Mitarbeiter oder Anwohner erfasst werden könnten, lassen sich digital maskieren und komplett von der Aufzeichnung ausschließen. Durch die unkomplizierte Handhabung des mobilen Trailers bleibt der logistische und finanzielle Aufwand für die teilnehmenden Windparkbetreiber minimal. Langfristig soll das System den artenschutzgerechten und rechtssicheren Weiterbetrieb sowie den Neubau von Windkraftanlagen in sensiblen Naturräumen erleichtern.
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