Luftqualität: TU-Forscher warnt vor Blick nur auf Feinstaubmasse

Durch | September 4, 2026
Desert-like surface with many small cone-shaped mounds and scattered rocks across a flat, dusty ground.

Berlin – Am 7. September 2026 ist der Internationale Tag der sauberen Luft. Prof. Dr. Andreas Held, Leiter des Fachgebiets Umweltchemie und Luftreinhaltung an der TU Berlin, betont in einem Interview der Hochschule, dass eingehaltene Feinstaubgrenzwerte nicht automatisch saubere Luft bedeuten. Bisher werde Feinstaub vor allem über die Masse bewertet. Sehr kleine Partikel trügen kaum zur Masse bei, könnten aber gesundheitlich besonders relevant sein. Entscheidend seien Größe, Zusammensetzung und Wirkung im Körper.

Die neue EU-Luftqualitätsrichtlinie muss bis zum 11. Dezember 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Die neuen Grenzwerte gelten grundsätzlich ab 2030. Für PM2,5 sinkt der zulässige Jahresmittelwert von 25 auf 10 Mikrogramm pro Kubikmeter. Zusätzlich sollen ultrafeine Partikel und Ruß erfasst werden. Auch das oxidative Potenzial gilt der Richtlinie zufolge als relevante Messgröße.

Ultrafeine Partikel seien extrem klein und würden daher fast nichts zur Feinstaubmasse beitragen, so Held. Ein Partikel mit zehn Mikrometern Durchmesser habe ungefähr dieselbe Masse wie eine Milliarde vergleichbare Partikel mit zehn Nanometern Durchmesser. Langfristige und flächendeckende Messdaten fehlten bisher. Ultrafeine Partikel sollen künftig an bestimmten Stationen systematischer erfasst werden.

Auspuffemissionen seien deutlich zurückgegangen. Stärker in den Fokus rückten Reifen- und Bremsabrieb, Straßenabrieb und aufgewirbelter Staub. Elektroautos lösten das Feinstaubproblem des Verkehrs daher nicht automatisch. Waldbrände könnten viele Luftschadstoffe freisetzen; studentische Arbeiten an der TU hätten den Einfluss von Bränden in Brandenburg auf die Luftqualität in Berlin untersucht. Ozon-Spitzenwerte seien seltener als vor einigen Jahrzehnten, mittlere Konzentrationen könnten langfristig steigen.

In zwei abgeschlossenen Dissertationen des Fachgebiets wurde unter anderem ein Impaktor entwickelt, der Feinstaub verschiedener Größen in etwa 15 Minuten sammelt; übliche Verfahren benötigten häufig 24 Stunden. Ein weiteres Gerät bestimmt wasserlösliches Eisen schneller als zuvor. Gemessen wurde unter anderem in Berlin, Athen, Italien und an der irischen Atlantikküste. Das Impaktor-System werde inzwischen kommerziell angeboten.

Held nennt für Berlin Ruß und ultrafeine Partikel als vorrangige Stellschrauben. Dieselruß sei krebserregend; Ruß verbleibe kürzer in der Atmosphäre als langlebige Treibhausgase. Medizinische Expertinnen und Experten schätzten, dass die Vorteile des Radfahrens in Berlin in der Regel die zusätzliche Schadstoffbelastung überwögen. Auch Innenräume seien relevant, da dort der größte Teil der Zeit verbracht werde.

Am 14. und 15. September 2026 veranstalten TU Berlin und Umweltbundesamt das 6. Symposium „Ultrafeine Partikel in der Außenluft und in Innenräumen“ an der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Berlin.

Quelle: Interview der TU Berlin mit Prof. Dr. Andreas Held, Autorin Barbara Halstenberg.

Feinstaub unter dem Elektronenmikroskop | Quelle: Claudio Crazzolara | Copyright: Claudio Crazzolara
Feinstaub unter dem Elektronenmikroskop | Quelle Claudio Crazzolara | Copyright Claudio Crazzolara
Autoren-Avatar
LabNews Media LLC
LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände

Schreibe einen Kommentar