WIEN, 3. September (LabNews Media LLC) – Auf 62 europäischen Berggipfeln nimmt die Zahl der Pflanzenarten seit zwei Jahrzehnten zu, zugleich steigt die Rate lokaler Ausfälle. Verschwunden sind vor allem Arten, deren Verbreitungsschwerpunkt höher liegt als der jeweilige Gipfel – relative Hochlagen-Spezialisten. Das berichten Johannes Wessely (Universität Wien), Harald Pauli (BOKU und Österreichische Akademie der Wissenschaften) und Stefan Dullinger (ÖAW) in Science (DOI: 10.1126/science.aed2974). Lokal nicht wiedergefunden heißt nicht weltweit ausgestorben.
Die Gipfel wurden im Monitoringnetz GLORIA zwischen 2001 und 2022 viermal auf Artenzusammensetzung untersucht. Der Anteil nicht wiedergefundener Arten stieg von Erhebung zu Erhebung. Wärmere Gipfel verloren häufiger Arten; dieser Zusammenhang war stärker als der bloße Zeittrend. Die Wahrscheinlichkeit eines lokalen Verlusts nahm zum unteren Höhenrand der jeweiligen Art zu. Wer schon auf wärmeren als durchschnittlichen Standorten wächst, reagiert empfindlicher auf weiteren Temperaturanstieg.
Jahrzehntelange Erwärmung hat Kältegrenzen gelockert und Arten hangaufwärts verschoben. Die wachsende Artenzahl auf den Kuppen überdeckt nach Darstellung der Autoren den Verlust typisch alpiner Arten. Hochlagenspezialisten gelten oft als stresstolerant und langlebig; lokale Ausfälle folgen meist längeren Bestandsrückgängen und können der Klimaänderung um Jahrzehnte nachhinken. Höhere aktuelle Verlustraten könnten eine bereits früher entstandene Aussterbeschuld abtragen – das müsse weiter geprüft werden.
Gefördert wurde die Arbeit vom Europäischen Forschungsrat (Horizont 2020, Vereinbarung 883669). GLORIA erfasst Wiederfunde auf festen Gipfelflächen, keine vollständigen Arealverluste. Ob Schutzmaßnahmen den Trend auf den Kuppen umkehren, sagt die Zeitreihe nicht.
Credits
Harald Pauli

