SANTA BARBARA, 3. September (LabNews Media LLC) – Ohne einheitliche Zahlen zu Produktion, Handel, Recycling und Entsorgung bleibe ein globales Plastikabkommen weitgehend blind. Das schreiben Quanyin Tan (Tsinghua-Universität), Roland Geyer und Douglas McCauley (University of California, Santa Barbara) in Science (DOI: 10.1126/science.aea6562). Sie fordern verpflichtende Berichte aller Staaten.
Seit März 2022 verhandelt ein Ausschuss der UN-Umweltversammlung über einen Vertrag gegen Plastikverschmutzung. Nach Einschätzung der Autoren fehlen in einem ersten Vertragsentwurf Berichtspflichten. Messung und Meldung von der Herstellung bis zum Verbleib seien die Grundlage jeder späteren Regelung, analog zu Protokollen für ozonschädigende Stoffe, gefährliche Abfälle, persistente organische Schadstoffe, Quecksilber und Treibhausgase.
Vorgeschlagen wird, Kunststoffarten, eingesetzte Chemikalien, Handelsströme, Abfallmengen und Endpunkte standardisiert zu erfassen, Kennzeichnungen anzugleichen und Datenrepositorien aufzubauen. Auch ohne Einigung über Produktionsobergrenzen könnten Staaten diese Basisdaten liefern. Unterschiede in der Verwaltungskapazität der Länder bleiben ein Umsetzungshindernis.
Plastiknutzung soll Schätzungen zufolge von 2024 bis 2050 um 37 Prozent steigen. Synthetische Polymere würden von der Natur nicht wie Stein, Glas, Papier oder Metalle wieder aufgenommen. Ein Einwegbesteck, Minuten im Gebrauch, könne Jahrhunderte im Deponiekörper bleiben. Gesundheitliche Risiken durch Einträge in Umwelt und Organismen gelten den Autoren als zunehmend belegt; Quantifizierung sei Voraussetzung für wirksame Gegenmaßnahmen, nicht bereits deren Erfolg.
Am 16. und 17. September soll ein Workshop von UCSB und Weltwirtschaftsforum in Genf Berichtskonzepte und Zielkonflikte erörtern. Eine Zusammenfassung ist für Verhandler vor der nächsten Sitzung des zwischenstaatlichen Verhandlungsausschusses im März 2027 vorgesehen. Ob der Vertrag Berichtspflichten aufnimmt, entscheidet die Diplomatie, nicht die Studie.

