Recyclingquoten bei Baustoffen: Hohe Verwertung, oft geringes hochwertiges Recycling

Durch | September 20, 2026

Bau- und Abbruchabfälle sind der größte Abfallstrom in Deutschland. 2024 entfielen nach Destatis 182,8 Millionen Tonnen darauf – die Hälfte des gesamten Abfallaufkommens von 362,7 Millionen Tonnen. Die Verwertungsquote dieser Fraktion lag bei 89 Prozent (2023: 90 Prozent). Die Gesamt-Verwertungsquote aller Abfälle beträgt seit Jahren 82 Prozent. Die Mengen gingen 2024 vor allem wegen schwächerer Bautätigkeit zurück.

Verwertung und Recycling sind nicht dasselbe. „Verwertung“ umfasst stoffliche Nutzung, energetische Nutzung sowie Verfüllung von Abgrabungen und Deponiebau. Hochwertiges Recycling – Einsatz im gleichen oder gleichwertigen Produkt – liegt bei den meisten mineralischen Baustoffen deutlich darunter.

Mineralische Massenbaustoffe

Im Monitoring der Bauwirtschaft für 2022 (neueste detaillierte Branchenerhebung) fielen 207,9 Millionen Tonnen mineralische Bauabfälle an:

  • Boden und Steine: 122,1 Millionen Tonnen, Verwertungsquote 86,7 Prozent, überwiegend Verfüllung
  • Bauschutt: 55,2 Millionen Tonnen, Recycling 81,7 Prozent, weitere 13,0 Prozent Verfüllung/Deponiebau, 5,3 Prozent Beseitigung
  • Gesamte Verwertungsquote der erfassten Fraktionen: 90,4 Prozent

Aus Bauschutt und Straßenaufbruch entstanden 61,0 Millionen Tonnen Recycling-Baustoffe. Der Bedarf an Gesteinskörnung lag bei rund 564 Millionen Tonnen. Recyclingmaterial deckte damit nur etwa 13 Prozent des Bedarfs. Betonrecycling ist überwiegend Downcycling: Einsatz als Tragschicht oder Füllstoff. Der Anteil recycelter Körnung in neuem Beton liegt unter einem Prozent. Asphalt gilt als vergleichsweise geschlossener Kreislauf. Seit August 2023 gilt bundesweit die Ersatzbaustoffverordnung.

2024 nahmen Aufbereitungs- und Asphaltmischanlagen knapp 76 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle an, 13,2 Prozent weniger als 2022.

Metalle, Holz, Verbundstoffe

Baustahl und Gusseisen erreichen Recyclingquoten von 97 bis 99 Prozent. Magnetische Trennung und hoher Schrottwert machen den Kreislauf wirtschaftlich. Holz wird zu einem relevanten Teil stofflich in Spanplatten genutzt (Größenordnung um 30 Prozent), ein weiterer Teil energetisch. Verbundsysteme wie Wärmedämmverbundsysteme und viele Dämmstoffe haben keine etablierten geschlossenen Kreisläufe; energetische Verwertung oder Deponierung überwiegen.

Gips: niedrige Quote, strukturelle Lücke

Gips ist der Baustoff mit der größten Diskrepanz zwischen technischer Recycelbarkeit und tatsächlicher Kreislaufführung. Deutschland verbraucht rund 9 bis 10 Millionen Tonnen Gips pro Jahr. Die Versorgung setzte sich zuletzt etwa aus 4,7 Millionen Tonnen Naturgips und 3,4 Millionen Tonnen REA-Gips zusammen (Zahlen um 2023). REA-Gips aus Kohlekraftwerken ging von früher über 50 Prozent des Bedarfs auf rund 3,4 bis 3,9 Millionen Tonnen zurück und entfällt mit dem Kohleausstieg spätestens 2038.

Bauabfälle auf Gipsbasis: rund 600.000 bis 741.000 Tonnen pro Jahr. Davon gilt etwa die Hälfte als recyclingfähig. Tatsächlich eingesetzter RC-Gips aus externen Quellen lag bei etwa 63.000 Tonnen (BGR 2022) bzw. rund 74.000 Tonnen (2021, Bundesverband Gips). Bezogen auf die Gipsabfälle entspricht das einer Recyclingrate von knapp 10 Prozent. Andere Angaben nennen rund 6 Prozent effektive Rückführung in die Produktion oder, je nach Abgrenzung, knapp 60 Prozent „Verwertung“ inklusive minderwertiger Wege. Rund 40 Prozent der gipsbasierten Bauabfälle gehen auf Deponien.

Aktive Recyclinganlagen (Großpösna, Zweibrücken, Ennigerloh, Pulheim; plus Produktionsrest-Anlage Deißlingen) haben eine Kapazität von grob 277.000 plus 50.000 Tonnen. Ein niedersächsisches Gutachten 2026 kommt zu dem Schluss: Recycling kann die REA-Gips-Lücke nicht schließen. Knauf beziffert geeignete Abfälle aus Rückbau auf unter 600.000 Tonnen, von denen nur ein Teil hochwertig recycelbar ist. Eine neue Anlage in Neuhof an der Zenn (Knauf/BSR) erhielt 2026 die Genehmigung. Werksschließungen, darunter das Recyclingwerk Zweibrücken, belasten die Infrastruktur.

Ursachen der niedrigen Quote: Gips gilt im mineralischen Bauschutt als Störstoff (Sulfat), muss sortenrein erfasst werden, ist oft mit Karton, Putz oder Mischabbruch verunreinigt und wurde lange deponiert oder exportiert. Technisch ist ein geschlossener Kreislauf bei sortenreinen Gipsplatten möglich; RC-Gips kann einen begrenzten Anteil Naturgips in neuen Platten ersetzen.

Folgerung

Hohe Verwertungsquoten bei Bauabfällen täuschen über die Qualität hinweg. Metalle sind nahezu geschlossen kreislauffähig. Mineralische Massenströme werden überwiegend niederwertig genutzt. Gips bleibt der Engpass: Die Quote reicht nicht, um den Wegfall von REA-Gips auszugleichen. Ohne verbindliche getrennte Erfassung, höhere Kapazitäten und Produktvorgaben bleibt der Druck auf Naturgipsvorkommen – etwa im Südharzer Gipskarst – bestehen. Das steht im Widerspruch zu den Wiederherstellungs- und Ressourcenzielen der EU-Biodiversitätsstrategie und der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt 2030, die geschädigte Lebensräume schützen und Rohstoffentnahme mindern sollen.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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