Landwirtschaft, Staudämme und landwirtschaftliche Abwässer stellen weltweit die größten Bedrohungen für die Süßwasserbiodiversität dar. Europa und Nordwestafrika sind einer Studie der McGill University zufolge die am stärksten betroffenen Regionen. Die Ergebnisse erschienen in „Science“ (DOI: 10.1126/science.aeb7910).
Die Forschenden nutzten eine Kartierungsmethodik, die zuvor für terrestrische Arten eingesetzt wurde, um zu identifizieren, wo Süßwasserarten bedroht sind und welche menschlichen Aktivitäten dafür verantwortlich scheinen. „In einer Zeit, in der globale Biodiversitätsrahmenwerke Gefahr laufen, Süßwasserarten zu vernachlässigen, liefern uns diese Karten eine neue, speziell auf Süßwasser ausgerichtete Grundlage für den Naturschutz“, sagte Hauptautor Christophe Brabant. Das sei für alle wichtig, nicht nur für Biologen, denn Süßwassersysteme erbrächten Leistungen, von denen alle abhingen – sauberes Trinkwasser, Fischbestände, Hochwasserschutz und mehr.
Anhand von Daten der Roten Liste der Internationalen Union für Naturschutz (IUCN) kartierte das Team die Auswirkungen von 45 Bedrohungen auf über 21.000 Arten aus fünf wichtigen Süßwasser-Tiergruppen: Säugetiere, Reptilien, Fische, Amphibien und Libellen. Daraus entstanden 225 Karten, die die Auswirkungen jeder Bedrohung auf jede Gruppe darstellen und zu einem Gesamtindex zusammengeführt wurden. Anschließend verglichen die Forschenden die Ergebnisse mit früheren globalen Bedrohungskartierungen für terrestrische Wirbeltiere und stellten fest, dass Süßwasserarten einer größeren Bedrohung ausgesetzt waren und unterschiedliche räumliche Muster aufwiesen.
Die dominanten Bedrohungen verschoben sich je nach Artengruppe: Amphibien und einige Insekten wie Libellen sind den Angaben zufolge vor allem durch landwirtschaftliche Aktivitäten bedroht, Reptilien und Säugetiere durch Jagd. Süßwasserarten seien in der bisherigen Forschung weitgehend ausgelassen oder nur unter dem Blickwinkel menschlichen Nutzens statt Artenschutzes betrachtet worden, obwohl viele der artenreichsten Süßwasserregionen auch unter dem größten Druck stünden. Die Studie sei zudem die erste, die einen einheitlichen räumlichen Rahmen für terrestrische und Süßwasserbereiche schaffe und Bedrohungen in diesem Maßstab fair vergleiche.
Künftige Forschung solle genauer klären, welche Arten und Gebiete für den Schutz priorisiert werden sollten, sagte Seniorautor Lars Lønsmann Iversen. „Wenn wir Gebiete identifizieren, die geschützt werden sollten, und wissen, dass dort hoher Druck oder hohe Bedrohungen bestehen, kann das helfen, die nötigen Maßnahmen zu bestimmen.“ An der Studie waren neben Brabant und Iversen Laura Pollock, Jonas Geldmann, Mette Bendixen, Lise Comte, Harith Farooq, Katherine Hébert, Bernhard Lehner und Catherine A. Sayer beteiligt. Gefördert wurde sie vom Fonds de recherche du Québec – Nature et technologie, dem Natural Sciences and Engineering Research Council of Canada, dem New Frontiers in Research Fund, dem Danish Independent Research Council und dem Villum Center for Global Mountain Biodiversity.
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