Mehr als 1.200 Fachleute fordern verbindliche EU-Maßnahmen gegen extreme Hitze

Durch | November 6, 2026
Earth shown in space with a bright ring of fire around its illuminated edge, blending blue glow on the left and fiery orange on the right, suggesting destruction or transformation.

Mehr als 1.200 Fachkräfte aus Medizin, Pflege, Forschung und anderen Gesundheitsbereichen aus 27 europäischen Ländern haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie die europäischen Institutionen zu stärkerem politischem Engagement, höheren Investitionen und verbindlichen Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit vor extremer Hitze auffordern. Die Initiative des europäischen Regionalbüros der Planetary Health Alliance baut auf der Europäischen Erklärung zu Hitze und Gesundheit auf, die im August 2026 mit Unterstützung von 129 Organisationen veröffentlicht wurde.

Der Brief soll am 10. Dezember offiziell beim Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission eingereicht werden – einen Tag, bevor der Umweltrat seine erste Stellungnahme zum vorgeschlagenen europäischen Klimaresilienzgesetz abgibt. Der Vorschlag der Kommission vom 27. Oktober wird derzeit von Parlament und Rat geprüft. „Bislang haben sich nationale und EU-Initiativen, so relevant sie auch sein mögen, als unzureichend erwiesen, um die hohe hitzebedingte Sterblichkeit zu verhindern. Mit diesem offenen Brief fordern wir verbindliche Anpassungsmaßnahmen und eine zweckgebundene Finanzierung, um wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Maßnahmen umzusetzen und weitere Todesfälle zu verhindern“, sagte Josep Maria Antó vom Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal), das seit Anfang 2026 das Europäische Sekretariat der Planetary Health Alliance koordiniert.

Laut dem Copernicus-Klimawandeldienst war der Sommer 2026 der heißeste in Westeuropa seit Beginn der Aufzeichnungen. Hitzebedingte Todesfälle träfen am härtesten, wo ohnehin Benachteiligungen bestünden – überwiegend ältere Menschen, Frauen, Menschen mit chronischen Erkrankungen, im Freien arbeitende Personen und Alleinlebende in überhitzten Wohnungen. Auf wirtschaftlicher Ebene hätten extreme Hitzewellen und Waldbrände das Bruttoinlandsprodukt der EU im Jahr 2026 um etwa ein Prozent beziehungsweise rund 180 Milliarden Euro reduziert.

Die Unterzeichner fordern sechs zentrale Maßnahmen: den Übergang zu verbindlichen Anpassungspflichten mit Gesundheitszielen und der Einstufung extremer Hitze als ernsthafte grenzüberschreitende Gesundheitsbedrohung; einen europäischen Hitze-Gesundheits-Aktionsplan mit einem Nothilfefonds zum Schutz von Gesundheitseinrichtungen, Pflegeheimen, Kitas und Schulen sowie integrierten Warnsystemen für Hitze und Waldbrandrauch in allen Mitgliedstaaten; eine EU-Richtlinie zur Prävention hitzebedingter Arbeitsrisiken mit verbindlichen, regional kalibrierten Temperaturschwellen, automatischen Arbeitsbeschränkungen und Entschädigungsregeln auch für Leih-, Migrations- und Plattformarbeiter; den Zugang zu sicheren Innentemperaturen für gefährdete Menschen durch Ausweitung der Gebäudeeffizienzrichtlinie auf den bestehenden Wohnungsbestand und die Planung von Stromnetzen für Sommerspitzen; die Beschleunigung der Klimaschutzmaßnahmen als Gesundheitspolitik, einschließlich des Abbaus fossiler Subventionen von mehr als 400 Milliarden Euro jährlich und der Ausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik an gesunder, nachhaltiger Ernährung; sowie die Verankerung von Gesundheit, Evidenz und Gerechtigkeit in allen EU-Klimapolitiken mit Folgenabschätzungen, unabhängiger Überwachung und einer formalen Stimme für Gesundheitsfachkräfte und betroffene Gemeinschaften.

Die Unterzeichner nehmen sich selbst nicht aus: Sie verpflichten sich zu Hitzeplänen mit Bezug zu Warnstufen, zum Schutz ihrer Mitarbeitenden als Voraussetzung für den Schutz ihrer Patienten und dazu, zuerst die am stärksten Gefährdeten zu erreichen. Der offene Brief bleibt bis zum 10. Dezember zur Unterzeichnung offen.

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Symbolbild Credits Unsplash
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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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