Nach dem heißen und trockenen Sommer 2026 rückt die kalte Jahreszeit näher, und zahlreiche Berggipfel sind seit Mitte Oktober bereits weiß. Forschende des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) erklären, warum der Zeitpunkt des ersten Schneefalls entscheidend ist – für die Lawinenlage, den Permafrost und die Beschneiung. Wie das SLF mitteilte, blieb der Schnee auf dem Versuchsfeld Weissfluhjoch auf 2536 Metern oberhalb von Davos in den Monaten Juli, August und September erstmals in der 90-jährigen Geschichte des Messfelds ganz aus. Selbst in anderen Hitzesommern wie 1947, 2003, 2015, 2018 und 2022 hatte es in diesen Monaten zumindest kurzzeitig Schnee gegeben. Die langfristige Tendenz zu weniger Schneetagen im Sommer sei klar: In den ersten 45 Jahren der Messreihe lag der Median bei 26 Tagen, in den vergangenen 45 Jahren bei 16.
Ein klarer Zusammenhang zwischen Hitzesommer und dem folgenden Winter besteht dem Schneeklimatologen Christoph Marty zufolge jedoch nicht. Es gebe kein einheitliches Muster. Eindeutiger sei das Bild beim Einschneien: Nach Hitzesommern habe die geschlossene Schneedecke immer später eingesetzt. In Mürren kam der Schnee zwei bis neunzehn Tage später als üblich, in Davos einen bis siebenundvierzig Tage später. Sollte es wieder so lange dauern, könnte es 2027 werden, bis der Ort unter einer geschlossenen Schneedecke liegt.
Wintersport werde trotzdem schon vorher möglich sein, da Gemeinden und Bergbahnen mit technischem Schnee und Snowfarming gegensteuern. Die meisten Schneelager hätten den Sommer ohne Probleme überstanden und seien gut gefüllt, sagte Fabian Wolfsperger vom SLF. Spannend werde eher, ob im Januar und Februar 2027 genügend Wasser für neue Schneevorräte vorhanden sei; in den Alpen dürfte das der Fall sein, Langlaufgebiete in den Mittelgebirgen könnten Probleme bekommen. Auch die Wassertemperatur sei wichtig: Zu warme Bäche und Seen erschwerten die Schneeproduktion. Für die Beschneiung brauche es idealerweise länger als minus fünf Grad Celsius, insgesamt hundert kalte Stunden bis zum Saisonstart; die Chancen dafür stünden gut, besonders in Lagen ab etwa 2500 Metern.
Im freien Gelände kann nach einem warmen Sommer die Gefahr von Gleitschneelawinen steigen. Fällt früh viel Schnee auf noch warmen Boden, isoliert die Schneedecke den Untergrund, der nicht weiter auskühlt und an der Unterseite feucht bleibt; auf glattem Untergrund wie Gras oder Felsplatten kann die gesamte Schneedecke dann abrutschen, sagte Alec van Herwijnen vom SLF. Oft, aber nicht immer, bildeten sich vorher Risse im Schnee, sogenannte Fischmäuler. Unterhalb solcher Risse sollten sich Menschen nicht aufhalten. Kühlt der Boden vor den ersten größeren Schneefällen ausreichend ab, ist die Gefahr geringer.
Der Zeitpunkt des Einschneiens entscheidet auch über die Wirkung des Hitzesommers auf den Permafrost. Dieser sei im Frühjahr 2026 gut in die warme Jahreszeit gestartet, da der Untergrund nach dem kalten, schneearmen Winter 2025/26 relativ kühl war; die Hitze des Sommers war in den obersten Bodenschichten deutlich messbar, erreiche die Tiefe aber nur langsam. Bis sie in zehn Metern Tiefe ankomme, werde es 2027, sagte Jeannette Nötzli vom SLF. Ist die Schneedecke früh im Herbst geschlossen, kann der Boden nicht auskühlen, die Wärme wird gespeichert und kann den Effekt des Hitzesommers verstärken. Kommt der Schnee spät und kann der Boden auskühlen, mildert dies die Folgen etwas. Entscheidend für den Permafrost seien nicht einzelne Sommer, sondern die vielen aufeinanderfolgenden warmen Jahre des vergangenen Jahrzehnts; 2026 sei nur der bisherige Höhepunkt gewesen. Die Erwärmung könne zu Eisverlusten im Boden und Wasserflüssen bis tief in den Permafrost führen, was die Stabilität von Bergflanken verringere und Fels- und Bergstürze begünstigen könne. In der Schweiz sind dem SLF zufolge rund fünf Prozent der Landesfläche Permafrost, meist in kalten, hoch gelegenen Schutthalden und Felswänden oberhalb von 2500 Metern.

