Pugnalom wünscht FROHE OSTERN

Durch | April 18, 2025
Credits: pugnalom

Ostern, das Fest der Eiersuche, erinnert an den Lebenszyklus der Vögel, deren Eier Symbole der Erneuerung sind. Doch wie lange, so fragt man sich angesichts der aktuellen Entwicklung, werden wir im Frühjahr noch den Gesängen von Zeisigen, Finken und Schnäppern lauschen können, werden doch schon heute vielerorts die „Allerweltsvögel“ wie Amseln, Kohl- und Blaumeisen, Sperlinge und Rotkehlchen immer seltener. Werden wir uns von den meisten Vogelarten verabschieden müssen? Sie nur noch gemalt oder fotografiert betrachten können? Uns gar an den Verlust gewöhnen?

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Übrigens findet sich das Eierfärben nicht nur als Ostertradition bei uns Menschen. Wussten Sie zum Beispiel, dass auch das Weibchen des Wiedehopfs (Upupa epops) seine Eier färbt? Über die Bürzeldrüse gibt die Wiedehopf-Dame ein Sekret ab, das die anfangs blaugrauen Eier zum Ende der Brutzeit in einem satten, grünblauen Farbton erscheinen lässt. Diese Farbänderung hat allerdings keinen ästhetischen Grund, sondern dient einem höheren Zweck – nämlich dem Schutz der Nestlinge. Die Farbe entsteht durch eine Kombination symbiotischer Bakterien in der Bürzeldrüse, die die Embryonen gegen pathogene Bakterien schützen und damit vor Infektionen bewahren. Die Arbeiten eines Forschungsteams um Juan Soler vom spanischen Estación Experimental de Zonas Áridas Soler konnten zeigen, dass die in der Farbe enthaltenen symbiotischen Bakterien in hohem Maße gegen Bacillus licheniformis, eine Bakterienart, die unter anderem die Federn schädigt, wirksam ist.

Doch zeigt gerade das Beispiel des Wiedehopfs, dass wir dringend achtsamer mit unserer natürlichen Umwelt umgehen müssen. Denn der Wiedehopf ist bei weitem nicht die einzige Vogelart, die kaum mehr jemand zu Gesicht bekommt. Laut der aktuellen Roten Liste sind 43 Prozent der 259 regelmäßig bei uns brütenden Vogelarten gefährdet, darunter 33 Arten, die als „vom Aussterben bedroht“ gelten, und 14 Arten, die bereits als „ausgestorben oder verschollen“ geführt werden. Allein in den letzten zwölf Jahren gingen rund 12,7 Millionen Vogelbrutpaare verloren.

Besonders hart getroffen hat es die Arten der offenen Agrarlandschaft, darunter Braunkehlchen (Saxicola rubetra), Kiebitz (Vanellus vanellus) und Rebhuhn (Perdix perdix), deren Bestände durch die Intensivierung der Landwirtschaft, den Verlust artenreicher Wiesen und Weiden sowie den Rückgang von Brachflächen massiv eingebrochen sind. 

Die industrielle Landwirtschaft, die Umwandlung von Grünland in Ackerflächen, die immer weiter fortschreitende Versiegelung der Flächen und der ländlichen Wege, die Verstädterung der Dörfer, die Verschotterung und die Konzentration von Koniferen in Gärten und Parks, eine falsche und zu häufige Pflege von Grünflächen aller Art haben ein Insektensterben verursacht, das in der Geschichte des Menschen seinesgleichen sucht und vielen anderen Arten, die sich von ihnen ernähren, die Lebensgrundlage entzogen.

Wo Insekten fehlen, mangelt es auch den Vögeln an Nahrung. In Europa kommen rund 700 Vogelarten vor – inklusive Brutvögel, Zugvögel und regelmäßige Gäste. Die überwältigende Mehrheit dieser Arten füttert ihre Jungen zumindest teilweise mit Insekten. Dies betrifft insbesondere Singvögel (Passeriformes), die etwa 60 bis 70 Prozent der europäischen Vogelarten ausmachen: zwischen 400 und 500 Arten.

Diese starke Abhängigkeit erklärt sich aus dem hohen Proteinbedarf von Nestlingen, der durch Insekten effizient gedeckt wird. Selbst Arten, die als adulte Vögel Samen oder Früchte bevorzugen, ziehen ihre Küken überwiegend mit Insekten auf. So ist es nicht verwunderlich, wenn Forschende den Rückgang der Insekten als Nahrungsquelle für die Jungvögel als eine der Hauptursachen für den Einbruch der Vogelbestände ausmachen.

Sollte das Artensterben in diesem Tempo weitergehen, drohen weitreichende ökologische Verluste. Vögel sind zentrale Indikatoren für die Biodiversität und übernehmen essenzielle Funktionen in Ökosystemen. Der Verlust von Vogelarten führt zu einer Destabilisierung ganzer Lebensgemeinschaften und beeinträchtigt die natürlichen Kreisläufe, von denen auch die menschliche Existenz abhängt. In Europa sind die Bestände der Agrarlandvögel seit 1980 um fast 60 Prozent zurückgegangen, in der EU gingen in vier Jahrzehnten 600 Millionen Vögel verloren – das entspricht einem Verlust von mehr als 4.000 Vögeln pro Tag. Mit jedem weiteren Verschwinden wird das Netz des Lebens löchriger, und die Gefahr wächst, dass ganze Ökosysteme kollabieren.

Gerade zu Ostern, wenn das Suchen und Finden von Eiern im Mittelpunkt steht, wird die enge Verbindung zwischen Mensch und Vogelwelt besonders deutlich. Doch während wir für unsere Kinder bunte Eier verstecken und uns daran freuen, dass sie gesund und wohlbehütet aufwachsen können, finden viele Vögel immer weniger geeignete Brutplätze und Nahrung. Dabei ist es für jeden von uns möglich, dem Artensterben entgegen zu treten. Schon ein Blumenkasten mit Kräutern oder insektenfreundlichen Stauden auf dem Fenstersims kann mithelfen – von einem bewussteren Umgang mit Grünflächen und Gärten ganz abgesehen. Wer Hecken aus heimischen Gehölzen unterhält, alte Bäume schützt, wilde Ecken duldet, Pflanzen mit Bedacht auswählt und pflegt und blütenreiche Parzellen auf seiner Rasenfläche anlegt, schafft Lebensräume für Insekten, die wiederum als Nahrung für Jungvögel dienen können. Eine naturnahe Gartengestaltung, der Verzicht auf Pestizide und synthetische Düngemittel sowie eine angepasste, fachgerechte und auf ökologische Aspekte ausgerichtete Pflege sind konkrete Maßnahmen, die jeder Einzelne ergreifen kann, um die heimische Vogelwelt zu unterstützen und zu verhindern, dass wir eines Tages das Osterfest in einem stummen Frühling feiern müssen.

Quellen/zum Weiterlesen

Hoopoes color their eggs with antimicrobial uropygial secretions | The Science of Nature

Seltener Wiedehopf ist zurück – kaernten.ORF.at

Bodenversiegelung | Umweltbundesamt

Pestizide | Umweltbundesamt

Düngemittel | Umweltbundesamt

Ackerlandwirtschaftliche Praktiken treiben den Rückgang der Vogelpopulationen in ganz Europa voran | PNAS (Englisch)

(PDF) The Role of Insects in Ecosystems, an in-depth Review of Entomological Research

Schottergarten, Kiesgarten und Steingarten – NABU

Insect decline, an emerging global environmental risk – ScienceDirect

A range of threats drives declines in bird populations | BirdLife DataZone

Global Assessment Report on Biodiversity and Ecosystem Services | IPBES secretariat

State of nature in Europe: a health check | European Environment Agency’s home page

The ecology of human–nature interactions – PMC

Residential yard management and landscape cover affect urban bird community diversity across the continental USA – Lerman – 2021 – Ecological Applications – Wiley Online Library

More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas | PLOS One

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