Die deutsche Bildhauerin Marita Vollborn gehört zu den zehn Teilnehmenden der 9. Biennale di Chianciano, die automatisch für die London Art Biennale 2027 zugelassen sind. Grundlage ist ihre Bronzeskulptur „ARES“ von 2015. Die offizielle Gewinnerliste des Museums in Chianciano Terme führt sie in dieser Kategorie neben Catherine Tomova, Tilmann Krumrey, G. Todorov, Toby Harding, Fadik Erin, Alessandro Brunelli, Brendan Mc Gettigan, Horhat Kund Lehel und Marco Dotti.
Die Biennale zeigte vom 15. bis 29. August 301 Künstlerinnen und Künstler und vergab 96 Auszeichnungen in 14 Spielstätten. Der Hauptpreis ging an Del Giudice (Italien) für eine Mixed-Media-Arbeit. Vollborn gewann damit nicht den Grand Prize, sondern den Weiterleitungsweg nach London – eine eigene, institutionell definierte Stufe.
Die Skulptur
„ARES“ ist nach dem griechischen Kriegsgott benannt und in limitierter Bronzeedition gegossen, Angaben zufolge etwa 34 mal 29 mal 30 Zentimeter. Die Figur gilt nicht als heroisches Ideal, sondern als Darstellung von Militarismus, Gewalt und Profitinteresse. Sie entstand 2015 und gehört zum seit 2010 laufenden Projekt „Sinn und Scherben“, das rund 50 Ton- und Bronzearbeiten zu Macht, Schuld, Stärke und Fragilität umfasst. Vollborn, 1965 in Erfurt in der DDR geboren, arbeitet als Bildhauerin, Journalistin und Autorin; Werke sind unter anderem bei Saatchi Art und Singulart vertreten.
Politischer Rahmen
Im Vorfeld der Toskana-Schau hatte Vollborn öffentlich erklärt, „ARES“ derzeit nicht in den Vereinigten Staaten ausstellen zu wollen. Sie begründete das mit der Sorge um institutionelle Gegengewichte und die Bedingungen für kritischen Diskurs. Die Arbeit selbst sei nicht antiamerikanisch, sondern gegen Militarismus und Gier gerichtet, unabhängig vom Herkunftsland. Amerikanische Betrachterinnen und Betrachter sollten die Skulptur in Italien sehen können. Die Entscheidung bleibt eine künstlerische Standortwahl, kein Gerichtsurteil über eine ganze Kunstszene.
Ob „ARES“ in London als Kriegsmahnung oder als Skulptur unter vielen gelesen wird, entscheidet der politische Sommer 2027. Die Figur ist elf Jahre alt und trifft trotzdem den aktuellen Debattenraum – genau das macht die Weiterleitung plausibel.

