Potsdam (Labnews Media LLC) – Etwa 36 Prozent der heutigen Lebensräume von Landtieren könnten bis 2085 gleichzeitig mehreren klimabedingten Extremereignissen wie Hitzewellen, Waldbränden, Dürren oder Überschwemmungen ausgesetzt sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue internationale Studie unter Leitung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), die heute im Fachjournal Nature Ecology & Evolution veröffentlicht wurde.
Die Forschenden um Leitautorin Stefanie Heinicke vom PIK haben erstmals die kumulativen Auswirkungen mehrerer Extremereignisse auf globale Lebensräume von Landwirbeltieren analysiert. Besonders betroffen sind artenreiche Hotspots im Amazonasbecken, in Afrika und Südostasien. Bereits eine einzelne Hitzewelle oder ein Brand kann Populationen stark dezimieren. Treffen mehrere Ereignisse nacheinander auf, verstärken sich die Schäden dramatisch.
Ko-Autorin Katja Frieler, Leiterin der Forschungsabteilung Klimaresilienz am PIK, betonte, dass Waldbrände in den Prognosen eine besonders dominante Rolle spielen und eine bislang unterschätzte Bedrohung darstellen. Frühere Untersuchungen nach den australischen Buschfeuern 2019/2020 hatten bereits gezeigt, dass vorbelastete Regionen deutlich höhere Artenverluste erlitten.
Die Studie macht zugleich deutlich, dass rasche Emissionssenkungen auf Netto-Null einen großen Unterschied bewirken könnten: Bei einer konsequenten Klimaschutzpolitik und späterer Abkühlung des Klimas wären bis 2085 nur noch neun Prozent der Lebensräume von mehreren Extremereignissen betroffen.
Die Ergebnisse unterstreichen die Dringlichkeit, Extremereignisse stärker in der Naturschutzplanung zu berücksichtigen. Bisher werde der Klimawandel dort häufig nur als schleichende Erwärmung betrachtet, so die Forschenden.
Die Studie mit dem Titel „Land vertebrates increasingly exposed to multiple extreme events by 2085“ ist unter DOI 10.1038/s41559-026-03050-0 erschienen.

