
Schwermetalle lassen sich nicht biologisch abbauen. Blei, Cadmium, Arsen, Chrom oder Quecksilber sind Elemente; Mikroorganismen können sie weder in CO? noch in harmlose Endprodukte „mineralisieren“, so wie sie Öl oder TNT zerlegen. Was „Bioremediation bei Schwermetallen“ heißt, ist deshalb etwas anderes: Organismen binden, fällen, verändern die Wertigkeit oder verlagern die Metalle in Biomasse. Der Stoff bleibt chemisch Metall.
Was Mikroorganismen tatsächlich tun
Biosorption
Tote oder lebende Zellen binden Metallionen an Zellwandgruppen (Carboxyl, Hydroxyl, Amino). Das geht auch mit abgetöteter Biomasse, etwa von Bacillus, Pseudomonas oder Hefen. Schnell, aber Sättigung begrenzt die Kapazität; die Metalle sitzen dann auf der Biomasse und müssen mit ihr entsorgt werden.
Bioakkumulation
Lebende Zellen transportieren Metalle aktiv ins Zellinnere und lagern sie an Metallothioneine oder Phytochelatine. Stoffwechselabhängig, langsamer, empfindlich gegen zu hohe Toxizität.
Biopräzipitation / Biomineralisierung
Bakterien erzeugen Sulfide, Carbonate, Phosphate oder Oxide, an die Metalle als schwerlösliche Minerale ausfallen. Sulfat-reduzierende Bakterien fällen etwa Cadmium oder Blei als Sulfide. Ziel: Immobilisierung – weniger Auswaschung, weniger Aufnahme durch Pflanzen. Der Gesamtgehalt im Boden sinkt nicht.
Redox-Umwandlung
Das ist der wichtigste Fall, in dem sich die Giftigkeit ändert:
- Chromat Cr(VI) (mobil, krebserregend) ? Cr(III) (meist unlöslicher, deutlich weniger toxisch)
- Arsenat As(V) ? Arsenit As(III) (As(III) ist oft toxischer und mobiler)
- Quecksilber: Reduktion zu Hg(0) und mögliche Methylierung – Methylquecksilber ist gefährlicher und flüchtiger
Redox-Sanierung muss deshalb die Spezies kennen, nicht nur das Element.
Bioleaching
Säurebildner wie Acidithiobacillus oder organische Säuren von Aspergillus lösen Metalle aus dem Boden. Das ist Entfernung, aber das Eluat ist hochbelastet und muss separat behandelt werden. Sinnvoll eher ex situ oder in Reaktoren als auf Ackerflächen.
Pflanzen: Phytoremediation
Das ist in der Praxis oft der flächentaugliche Zweig.
| Verfahren | Wirkung | Typische Metalle |
|---|---|---|
| Phytoextraktion | Aufnahme in Spross/Blätter, Ernte, Entsorgung der Biomasse | Cd, Zn, Ni, z. T. As |
| Phytostabilisierung | Bindung in der Wurzelzone, weniger Erosion und Auswaschung | Pb, As, Cr |
| Phytovolatilisierung | Umwandlung und Abgabe als Gas | Hg, Se (riskant, weil die Belastung in die Luft geht) |
Hyperakkumulatoren speichern Metalle in Konzentrationen, die weit über normalen Pflanzen liegen. Bekannte Beispiele: Noccaea caerulescens (Cd/Zn), Pteris vittata (As), Brassica juncea (Pb, oft mit Chelatoren). Wachstumsfördernde Rhizobakterien und Mykorrhiza können die Aufnahme steigern. Chelatoren wie EDTA erhöhen die Mobilität – und damit auch das Risiko, dass Metalle ins Grundwasser gelangen.
Die geerntete Biomasse ist Sondermüll. Kompostieren reicht nicht; üblich sind Verbrennung mit Rauchgasreinigung oder nasse Metallrückgewinnung (Phytomining bei Ni oder Zn).
Was im Feld realistisch ist
Labordaten (80–99 % „Entfernung“) gelten fast immer für gelöste oder bioverfügbare Anteile, nicht für den Gesamtgehalt. Im Boden sind viele Metalle fest an Ton, Oxide und organische Substanz gebunden. Dann sinkt die Effizienz stark.
Grenzen:
- Hohe Konzentrationen töten Pflanzen und Mikroben (Hotspots an Kratern, Munitionslagern, Raffinerien).
- Mischbelastung mit Öl, PAK und Säure (schwarzer Regen) hemmt das Bodenleben; oft muss zuerst der organische Film reduziert werden.
- Wurzeln reichen meist nur in den Oberboden (Dezimeter, selten Meter).
- Dauer: Jahre bis Jahrzehnte für merkbare Absenkung der Gesamtgehalte.
- Immobilisierung ist umkehrbar, wenn sich pH, Redox oder organische Liganden später ändern.
Für Kriegsböden mit Pb, As, Cd und Cr aus Munition und Industriebränden heißt das konkret: Bioremediation eignet sich für mäßig belastete, große Flächen (Immobilisierung plus Vegetation, um Staub und Erosion zu stoppen) und als Nachbehandlung nach Aushub der Hotspots. Sie ersetzt weder Bodenwäsche noch Deponierung dort, wo Grenzwerte für Nahrungsmittelanbau oder Kinderspielplätze unterschritten werden müssen. Der Metallvorrat im Boden bleibt; geändert wird vor allem, wie leicht er in Wasser, Pflanze und Mensch gelangt.


