Sanierungskosten für PFAS in Deutschland

Durch | September 14, 2026
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Eine einzige, amtlich festgestellte Gesamtsumme für die Beseitigung von Per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) in Deutschland gibt es nicht. Die Beträge stammen aus Teilbereichen: Trinkwasseraufbereitung, einzelne Boden- und Grundwasserschäden, militärische Liegenschaften und Modellrechnungen für ganz Europa. Sie sind nicht addierbar.

Trinkwasser

Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) und das Technologiezentrum Wasser (TZW) haben im Juni 2026 Zusatzkosten für die öffentlichen Versorger geschätzt. Für den geltenden Summengrenzwert von 0,1 Mikrogramm je Liter für 20 PFAS-Stoffe (PFAS-20) seien rund 130 zusätzliche Aufbereitungsanlagen nötig. Die jährlichen Mehrkosten lägen bei etwa 26 Millionen Euro. Der ab Januar 2028 geltende Wert von 0,02 Mikrogramm je Liter für vier PFAS-Stoffe (PFAS-4) treffe knapp vier Prozent der Proben. Dann stiege der Bedarf auf etwa 220 Anlagen und rund 42 Millionen Euro im Jahr. Schärfere Werte von 4 bis 2 Nanogramm je Liter für PFAS-4 würden 340 bis 510 Millionen Euro jährlich bedeuten. Ein Grenzwert von 0,1 Mikrogramm je Liter für Trifluoressigsäure (TFA) würde nach dieser Rechnung etwa 6000 Anlagen und 3,3 Milliarden Euro im Jahr erfordern, über 20 Jahre rund 66 Milliarden Euro. TFA lässt sich mit Aktivkohle kaum entfernen. Dafür wäre weitgehend Umkehrosmose nötig. Der DVGW hält das flächendeckend für kaum machbar.

Die Begründung der Trinkwasserverordnung von 2023 lag niedriger. Für PFAS-20 nannte sie ab 2026 rund 4,66 Millionen Euro Erfüllungsaufwand im Jahr, für PFAS-4 ab 2028 zusätzlich etwa 11 Millionen Euro. Die DVGW-Zahlen von 2026 sind aktueller und höher. In Rastatt in Baden-Württemberg führten PFAS-Filter bis 2025 zu Investitionen von mehr als 17 Millionen Euro. Der Wasserpreis stieg um rund 20 Prozent.

Das Umweltbundesamt nennt für langkettige PFAS spezifische Aufbereitungskosten mit Aktivkohle von unter 0,10 Euro je Kubikmeter. Kurzkettige Stoffe verkürzen die Filterlaufzeiten und treiben den Aufwand.

Boden und Grundwasser an Einzelstandorten

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) beginnt auf dem früheren Nordatlantikvertrags-Organisation-Flugplatz (NATO-Flugplatz) Bitburg Sicherungsbauwerke auf 14.000 und 40.000 Quadratmetern. Die Kosten für diese Teilflächen liegen bei rund 10 Millionen Euro brutto. Fertigstellung der Bauwerke ist bis Ende 2027 geplant.

In Düsseldorf-Gerresheim schätzte die Stadt für 15 Jahre Grundwassersanierung mehr als 20 Millionen Euro, nachdem Stadt und Land zuvor schon über 10 Millionen Euro ausgegeben hatten. Am Berliner Flughafen Berlin Brandenburg (BER) und auf Tempelhofer Feld laufen Planungen für Grundwasserreinigungsanlagen im unteren einstelligen Millionenbereich plus Betrieb. Das sind Sicherungskosten, keine vollständige Entfernung aller Stoffe aus dem Untergrund.

Bundeswehr und Flugplätze

Die Bundeswehr veröffentlicht Gutachten zu Verdachtsflächen, etwa in Manching, Neuburg und weiteren Liegenschaften. Eine bundesweite Sanierungssumme für alle militärischen PFAS-Schäden liegt nicht vor. In Manching läuft eine Abstromsicherung mit Brunnen und Aktivkohle. Ein weiteres Varianten-Gutachten war im Herbst 2025 noch nötig. Die Kosten der endgültigen Sanierung sind offen.

Modellrechnungen für ganz Europa

Eine Studie zu 31 europäischen Ländern, über die der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und der Westdeutsche Rundfunk (WDR) 2025 berichteten, setzte für Deutschland im konservativen Szenario mehr als 800 Millionen Euro im Jahr an, um bereits in der Umwelt befindliche PFAS zu reinigen. Bei fortlaufenden Einträgen ohne wirksame Beschränkung stiegen die geschätzten Jahreskosten auf mehr als 17 Milliarden Euro. Eine wissenschaftliche Arbeit von 2026 zu Europa nannte für Altlasten der langkettigen PFAS in 27 EU-Staaten rund 37 Milliarden Euro über 20 Jahre. Laufende kürzerkettige Stoffe wären um ein Vielfaches teurer. Entfernt würden dabei nur wenige Tonnen im Jahr, verglichen mit den aktuellen Emissionen. Das sind Szenarien, keine Haushaltsansätze.

Was die Zahlen nicht sagen

Verursacher und Grundstückseigentümer tragen nach dem Bundes-Bodenschutzgesetz grundsätzlich die Pflicht. Oft zahlen Bund, Länder, Kommunen und Versorger, weil der historische Verursacher nicht greifbar ist. Aktivkohle und Pumpen sichern Trinkwasser und Abstrom. Sie lösen das Problem im Boden selten vollständig. Deshalb bleiben die Gesamtkosten über Jahrzehnte unscharf. Wer eine nationale Summe sucht, findet derzeit nur Bausteine und Modellkorridore, kein fertiges Sanierungsbudget.

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