Vorschläge für mehr als 1,7 Millionen Satelliten in der Erdumlaufbahn würden die Nachtbeobachtung der Astronomie massiv beeinträchtigen. Ein neues Gutachten der Europäischen Südsternwarte (ESO) warnt vor dramatischen Auswirkungen auf die Helligkeit des Nachthimmels und die Beobachtbarkeit schwacher Himmelsobjekte.
Die Studie unter Leitung von ESO-Astronom Olivier Hainaut zeigt, dass vor allem extrem helle Satellitenkonstellationen wie die geplanten eine Million zusätzlichen Satelliten von SpaceX für weltraumgestützte Rechenzentren und die 50.000 spiegelartigen Satelliten von Reflect Orbital bis 2035 den Nachthimmel erheblich aufhellen würden. Hainaut schätzt, dass höchstens 100.000 Satelliten mit einer Helligkeit unter der Sichtbarkeitsgrenze für das bloße Auge (visuelle Magnitude schwächer als 7) in der Umlaufbahn sein sollten, um die astronomische Forschung nicht unzumutbar zu beeinträchtigen. Er bevorzuge sogar eine Grenze von etwa 50.000.
SpaceX-Satelliten würden laut Simulationen hunderte bis tausende pro Nacht sichtbar sein – vergleichbar mit hellen Sternen – und helle Streifen in Teleskopbildern erzeugen. Reflect Orbitals spiegelnde Satelliten könnten bis zu viermal heller als der Vollmond erscheinen und den Nachthimmel insgesamt drei- bis viermal aufhellen. Weitere geplante Konstellationen wie E-Space Cinnamon oder chinesische Projekte würden die Belastung weiter erhöhen.
Die Untersuchung ist die erste, die auch den Beitrag von Satelliten zur diffusen und gestreuten Lichtverschmutzung quantifiziert. Sie basiert auf Simulationen der Positionen, Bewegungen und Helligkeiten der geplanten Konstellationen und wurde für die Stellungnahme der ESO bei der US-amerikanischen Regulierungsbehörde FCC erstellt.
„Bisher haben wir das noch hingekriegt, aber es wird schlimmer“, sagte Hainaut. „Die aktuellen Satellitenvorhaben gehen ‚über die Grenze‘ dessen hinaus, was die Astronomie verkraften kann.“ Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics angenommen.
Im Vordergrund sehen wir die Kuppel des Extremely Large Telescope ELT der ESO des größten optischeninfraroten Teleskops der Welt das derzeit auf dem Cerro Armazones errichtet wird Dahinter sind die Laser des Very Large Telescope VLT der ESO am Paranal Observatorium zu erkennen das 22 km vom ELT entfernt liegt
Credits
F Kamphues ESOM Kornmesser

