Chinesische Forscher integrieren elektronische Schaltkreise in hauchdünne, flexible Fasern

Durch | Februar 5, 2026
Revolution auf kleinster Fläche: der chinesische Faserchip. Credits: Fudan University

Ein Forschungsteam der Fudan Universität in Shanghai, China, hat komplexe elektronische Schaltkreise erfolgreich in dünne, flexible Fasern eingebettet. Dieser sogenannte Faserchip ermöglicht es Textilien, Informationen wie ein Computer zu verarbeiten, bleibt dabei aber weich und dehnbar genug, um gestreckt, verdreht und zu alltäglicher Kleidung verarbeitet zu werden.

Revolution auf kleinster Fläche: der chinesische Faserchip. Credits: Fudan University
Revolution auf kleinster Fläche der chinesische Faserchip Credits Fudan University

Die Entwicklung könnte Bereiche wie Gehirn-Computer-Schnittstellen, bei denen das Gehirn direkt mit externen Geräten kommuniziert, Hightech-Textilien und virtuelle Realität grundlegend verändern.

Herkömmliche Computerchips sind flach und starr, meist aus steifen Materialien wie Silizium gefertigt. Fasern sind jedoch gekrümmt und bieten nur eine winzige Oberfläche, weshalb es bisher kaum möglich war, ausreichend elektronische Bauteile darauf unterzubringen. Das Team der Fudan-Universität löste dieses Problem, indem es nicht nur die Oberfläche nutzte, sondern eine mehrschichtige Spiralarchitektur entwickelte. Dabei werden mehrere Schaltkreisschichten im Inneren der Faser integriert, um den gesamten verfügbaren Raum auszuschöpfen.

Die Experimente zeigen, dass ein nur einen Millimeter langer Faserchip bereits 10.000 Transistoren – die winzigen Schalter für die Datenverarbeitung – aufnehmen kann und damit eine Rechenleistung erreicht, die der eines Chips in einem Herzschrittmacher entspricht. Bei einer Verlängerung auf einen Meter könnten Millionen Transistoren integriert werden, was der Leistung eines herkömmlichen Desktop-Prozessors nahekommt.

Die Ergebnisse, die die traditionelle Chip-Herstellung infrage stellen, wurden am 21. Januar 2026 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.

Seit Jahrzehnten versuchen Wissenschaftler, Fasern mit grundlegenden Funktionen wie Energiespeicherung oder Berührungserkennung auszustatten. Bisher mussten solche intelligenten Textilien jedoch an sperrige, starre Computerchips angeschlossen werden, was die Kleidung steif und unangenehm machte. Der neue Faserchip macht externe Prozessoren überflüssig und erlaubt es dem Stoff, autonom zu rechnen und zu agieren.

„Unser Herstellungsverfahren ist mit den in der Chipindustrie üblichen Werkzeugen sehr gut kompatibel“, erläutert Chen Peining vom Institut für Fasermaterialien und -bauelemente der Fudan-Universität. „Wir haben bereits ein Verfahren zur Massenproduktion dieser Faserchips entwickelt.“

Im Gesundheitswesen eröffnen sich weitreichende Möglichkeiten. Aktuelle Gehirn-Computer-Schnittstellen nutzen starre Elektroden, die mit externen Computern verbunden sind. Der Faserchip könnte ein vollständig geschlossenes System schaffen, in dem Sensorik, Datenverarbeitung und medizinische Stimulation in einer einzigen, weichen Faser ablaufen. Professor Peng Huisheng, einer der Koautoren, betonte, dass diese Fasern nur 50 Mikrometer dünn sind – dünner als ein menschliches Haar – und so flexibel wie Hirngewebe, was sie sicherer und effektiver bei der Behandlung neurologischer Erkrankungen macht.

In der virtuellen Realität könnten intelligentere Tasthandschuhe entstehen. Bisherige VR-Handschuhe setzen oft auf klobige Hardware, die unnatürlich wirkt. Mit Faserchips hergestellte Handschuhe unterscheiden sich optisch und haptisch kaum von normalem Stoff, können die Beschaffenheit von Objekten erfassen und simulieren. Das würde etwa Chirurgen in robotergestützten Fernoperationen ermöglichen, die Härte von Gewebe realistisch zu spüren.

Lesen Sie auch

Autoren-Avatar
LabNews Media LLC
LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände