Feine Glasfaserkabel, die wie Spinnweben ganze Waldgebiete in der Ukraine durchziehen, hinterlassen nach dem Einsatz kabelgebundener Drohnen eine langfristige Umweltbelastung. Besonders betroffen sind Regionen in der Nähe von Charkiw. Das berichtet das Agrarmagazin agrarheute unter Berufung auf ukrainische Aufnahmen und eine Preprint-Untersuchung.
Beide Kriegsparteien setzen glasfasergeführte Drohnen ein, um bewegliche Ziele anzugreifen. Die Verbindung über kilometerlange Kabel macht die Geräte unempfindlich gegen Funkstörungen. Nach der Detonation oder dem Absturz der Drohne bleibt das Steuerungskabel zurück und verhängt sich in den Baumwipfeln. Luftaufnahmen der ukrainischen Streitkräfte (57. motorisierte Brigade) zeigen, wie die glitzernden Fasern Wälder netzartig bedecken.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schätzen die Gesamtmenge des zurückgelassenen Kabelmaterials in der Ukraine auf etwa 13.080 Tonnen. Grundlage der Berechnung sind Produktionskennzahlen aus Russland und der Ukraine. Die Untersuchung von Lyudmyla Antypenko von der Nationaluniversität Saporischschja liegt als Preprint auf Preprints.org vor und ist noch nicht peer-reviewed. Umfassende Bodenproben seien erst nach Kriegsende möglich.
Besonders problematisch ist die Ummantelung der Kabel: Sie enthält teilweise per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), sogenannte Ewigkeitschemikalien. Diese können bei der langsamen Zersetzung ins Ökosystem gelangen. Der ukrainische Umweltwissenschaftler Maxim Soroka erklärte gegenüber der Initiative UWEC (Ukraine War Environmental Consequences Work Group), dass das Material witterungsbeständig sei und nicht roste. Ohne gezielte Räumung könne es daher über viele Jahrzehnte im Boden und in den Wäldern verbleiben.
Die Rückstände stellen eine anhaltende Belastung für Wälder und Böden dar. Landwirtschaftliche Flächen und die Trinkwasserversorgung könnten langfristig betroffen sein. Konkrete Räumungskonzepte sind bislang nicht bekannt. Die Bilder und Schätzungen unterstreichen, dass moderne Kriegsmittel nicht nur unmittelbare Zerstörung, sondern auch jahrzehntelange ökologische Folgen hinterlassen können.

