Mit dem Einzug des Frühlings hat in Mitteleuropa die Brutzeit der heimischen Singvögel begonnen. Viele Arten legen bereits seit Ende März oder Anfang April ihre Eier, neben Amseln, Kohl- und Blaumeise auch Rotkehlchen, Buchfink, Zaunkönig, Kleiber und Heckenbraunelle. In dieser sensiblen Phase sind die Gelege und Nestlinge besonders gefährdet – ein Problem, das in Gärten und Siedlungsbereichen durch hohe Dichten von Hauskatzen und Eichhörnchen verstärkt wird.
Schätzungen des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) gehen davon aus, dass Hauskatzen in Deutschland jährlich bis zu 200 Millionen Vögel töten, darunter zahlreiche adulte Tiere, aber auch Eier und Nestlinge aus Gelegen. Mit einer Population von etwa 15 bis 16 Millionen Hauskatzen und mehr als zwei Millionen verwilderten Katzen erreicht die Katzendichte in urbanen und suburbanen Gebieten ein Niveau, das weit über der natürlichen Dichte vergleichbarer Prädatoren liegt und die Sterblichkeit der Population erheblich erhöht. Katzen sind geschickte Kletterer und erspüren mit ihrem feinen Gehör und sehr guten Geruchssinn selbst perfekt getarnte Nester.
Auch Eichhörnchen tragen zur Bedrohung bei. Die putzigen Nager plündern Vogelnester, um ihren Bedarf an tierischem Protein zu decken, vor allem trächtige oder säugende Weibchen sind auf permanenter Suche nach Nährstoffen. In Gärten und Parkanlagen, wo Eichhörnchen regelmäßig im Winter von Menschen gefüttert werden, steigt ihre Überlebensrate und damit die Populationsdichte. In solchen anthropogen beeinflussten Habitaten kommen natürliche Feinde wie Habichte, Mäusebussarde, Eulen, Baummarder oder Wiesel kaum vor, so dass sich Eichhörnchen praktisch unbehelligt vermehren und den Singvögeln in der Umgebung empfindlichen Schaden zufügen können: Selbst Jungvögel werden gefressen.
Um Vogelnester wirksam zu schützen, empfehlen Ornithologen und Naturschutzexperten den Einsatz räubersicherer Nistkästen. Diese Modelle verfügen über einen verlängerten Eingangstunnel, der verhindert, dass Katzen, Eichhörnchen oder Steinmarder mit ihren Pfoten die Brut erreichen können. Bestehende Nistkästen lassen sich im Nachhinein mit Schutzvorrichtungen nachrüsten, etwa durch spezielle Aufsätze wie Gitter oder Metallbleche, die vor dem Flugloch montiert werden. Auch die stachelbewehrten Katzenabwehrgürtel, um den Stamm des „Brutbaums“ gelegt, können helfen. Schräge Dächer von Nistkästen dagegen können Räuber nur bedingt abhalten.
Gartenbesitzer und Vogelbeobachter können anhand der zurückgelassenen Eierschalenreste meist recht zuverlässig erkennen, ob ein Gelege erfolgreich geschlüpft ist, oder ob Räuber das Nest geplündert haben. Die Unterscheidung beruht vor allem auf der Art der Fragmentierung, der Beschaffenheit der inneren Eimembran, dem Vorhandensein von Resten des Ei-Inhalts wie auch der Lage und Verteilung der Schalen. So deuten Hälften, die relativ klar getrennt sind, auf einen Schlupf hin. In der Regel tragen die Elterntiere solche Schalen umgehend aus dem Nest oder fressen sie auf, so dass im Erfolgsfall kaum Reste zu finden sind. Sind die Schalen dagegen unregelmäßig und stark fragmentiert, in scharfkantige Splitter zerbrochen oder zerquetscht, deutet das auf Nestraub hin. Häufig finden sich noch Reste von getrocknetem Eigelb oder Eiweiß im Inneren der Fragmente; kleine Löcher oder Einstiche von Zähnen oder Krallen sind schwerer auszumachen. Auch liegen die Schalen geplünderter Nester oft weiter verstreut im Gelände.
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