Eine aktuell laufende Untersuchung des Fraunhofer IEG zeigt, dass tiefe Geothermie einen erheblichen Beitrag zur klimaneutralen Wärmeversorgung in Städten leisten könnte, berichtet ingenieur.de. Am Beispiel Wuppertal wird deutlich, dass auch bislang wenig erschlossene Regionen relevante Potenziale bieten – vorausgesetzt, technische, wirtschaftliche und regulatorische Fragen werden gezielt adressiert. Dies geht aus einer Machbarkeitsstudie hervor, die die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien (IEG) gemeinsam mit den Wuppertaler Stadtwerken (WSW) durchführt.
Die Wärmewende gilt als eine der größten Herausforderungen der Energietransformation. Während die erneuerbare Stromerzeugung in vielen Bereichen bereits etabliert ist, bleibt die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung komplex – vor allem in dicht besiedelten urbanen Räumen. Neben Wärmepumpen, Fernwärme und Abwärmenutzung rückt zunehmend auch die tiefe Geothermie in den Fokus. Die Fraunhofer IEG und die Wuppertaler Stadtwerke arbeiten hier eng zusammen. Die laufende Studie analysiert systematisch die geologischen Voraussetzungen, die technischen Möglichkeiten und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Nutzung tiefengeothermischer Ressourcen in Wuppertal.
Die bisherigen Ergebnisse lassen erkennen, dass Regionen außerhalb der klassischen Geothermie-Hotspots wie dem süddeutschen Molassebecken durchaus relevante Potenziale aufweisen können. Frühere Projekte konzentrierten sich häufig auf besonders günstige geologische Bedingungen, doch nun steht verstärkt die Frage im Vordergrund, wie sich Geothermie auch unter weniger idealen Voraussetzungen erschließen lässt. Geowissenschaftliche Vorarbeiten in Wuppertal haben geeignete Formationen in mehreren Kilometern Tiefe identifiziert – darunter devonische Kalkstein-Schichten in etwa 2000 Metern Tiefe –, die grundsätzlich für die Wärmegewinnung nutzbar sein könnten. Entscheidend sei dabei weniger die absolute Temperatur als vielmehr die Kombination aus geologischer Beschaffenheit, Durchlässigkeit der Gesteinsschichten und technischer Erschließbarkeit.
Die Analyse macht zugleich klar, dass geothermische Projekte immer standortspezifisch bewertet werden müssen und sich nicht ohne Weiteres auf andere Regionen übertragen lassen. Ein weiterer Schwerpunkt der Studie liegt auf der Integration der tiefen Geothermie in bestehende Wärmesysteme. In urbanen Räumen spielt dabei besonders die Einbindung in Fernwärmenetze eine wichtige Rolle. Als kontinuierliche und grundlastfähige Wärmequelle könnte tiefe Geothermie zur Stabilisierung erneuerbarer Wärmesysteme beitragen und so einen wichtigen Baustein für eine klimafreundliche und zukunftssichere städtische Wärmeversorgung bilden.
Quelle
Laufende Machbarkeitsstudie der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien (IEG) in Zusammenarbeit mit den Wuppertaler Stadtwerken (WSW), basierend auf Pressemitteilungen und Projektinformationen vom März/April 2026.
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