Schweizer Studie: Rund 219 Tonnen Mikroplastik sinken jährlich aus der Luft

Durch | September 11, 2026
Two hikers walk a snowy alpine trail toward a small cabin, with towering snow-covered mountains in the distance and colorful confetti in the sky.

Dübendorf – In der Schweiz lagern sich unterhalb von 2000 Metern Höhe nach einer Hochrechnung jedes Jahr rund 219 Tonnen Mikroplastik aus der Atmosphäre ab. Davon treffen schätzungsweise 78 Tonnen auf landwirtschaftliche Flächen. Rund 10 Tonnen gehen direkt auf Gewässer nieder. Das berichtet ein Team der Empa mit Eawag und Agroscope in „Atmospheric Chemistry and Physics“ (DOI: 10.5194/acp-26-11803-2026). Das Bundesamt für Umwelt unterstützte die Arbeit.

Kunststoffe zerfallen in der Umwelt unter UV-Licht, Niederschlag, Ozon und mechanischer Beanspruchung. Der Wind trägt die Teilchen weiter. Wie viel auf diesem Weg wieder auf Böden und Gewässer gelangt, war für die Schweiz bisher unklar.

Ein Jahr lang maßen die Forschenden an fünf Orten. Die Standorte waren Zürich, Dübendorf, Magadino, Payerne und der Chaumont im Jura. Monatlich wurden nasse und trockene Deposition erfasst. Untersucht wurden Partikel mit 20 bis 215 Mikrometern Durchmesser. In Zürich lag der mittlere Eintrag bei 881 Partikeln je Quadratmeter und Tag. An den übrigen Stationen waren es 249 bis 331 Partikel. Die Stadtwerte erklären sich mit Siedlungsdichte, Verkehr und Kunststoff im Außenraum. Unerwartet ähnlich waren die ländlichen und vorstädtischen Werte. Empa-Forscher Christoph Hüglin hatte mit einem klaren Abstand zur Stadt gerechnet. Die Ähnlichkeit spricht dafür, dass Mikroplastik in der Luft auch dünner besiedelte Regionen erreicht.

Am häufigsten waren PET mit 31 Prozent, Polyethylen mit 26 Prozent und Polypropylen mit 21 Prozent. PE und PP stammen oft aus Verpackungen und Alltagsprodukten. PET steckt in Flaschen und Polyestertextilien. Die konkrete Produktquelle einzelner Teilchen bleibt offen. Reifenabrieb zählt fachlich zu Mikroplastik. Er wurde hier aus analytischen Gründen ausgeklammert. Eine eigene Studie dazu läuft.

Niederschlag wäscht Partikel aus der Luft. Trockene Ablagerung machte in der Schweiz trotzdem rund 60 Prozent der Masse aus. Der direkte atmosphärische Eintrag in Gewässer liegt den Autoren zufolge bei etwa 10 Tonnen im Jahr. Eine parallele Eawag-Arbeit zu Kläranlagen nennt rund 5 Tonnen über gereinigtes Abwasser.

Am Gesamtstaub der Luft hat Mikroplastik nur einen Anteil von 0,02 bis 0,12 Prozent. Über große Flächen summiert sich die Ablagerung dennoch. Der Abbau ist langsam oder bleibt aus. Folgen für Umwelt und Gesundheit sind nicht abschließend geklärt. Hüglin rät nach dem Vorsorgeprinzip zu weniger Littering, gezieltem Einsatz und geschlossenen Stoffkreisläufen.

Die fünf Messpunkte decken nicht das gesamte Land ab. Die Tonnage ist eine Hochrechnung. Kleinere Partikel unter 20 Mikrometern sind nicht erfasst. Vergleichbarkeit mit anderen Studien bleibt wegen unterschiedlicher Methoden begrenzt.

Mikroplastik aus der Luft belastet die Schweiz. KI generiertes Symbolbild. Credits: Pugnalom.io by LabNews Media LLC
Mikroplastik aus der Luft belastet die Schweiz KI generiertes Symbolbild Credits Pugnalomio by LabNews Media LLC
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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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