St. Louis – Melonen gelangten nach einer Genomanalyse wassergetränkter Samen wahrscheinlich aus Südasien nach Ostasien und wurden nicht aus wilden chinesischen Pflanzen entwickelt. Die Samen stammen von einem Fundplatz der Song-Dynastie (etwa 960–1279) in Südostasien Chinas. Die Arbeit von Forschenden der Washington University in St. Louis erschien in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (DOI: 10.1073/pnas.2610284123). EurekAlert berichtete am 8. September 2026.
Koautoren sind die Biologin Susanne Renner und der Archäologe Xinyi Liu. Die Gattung Cucumis hat viele wilde afrikanische Arten; lange galt Afrika als Ursprung. Renner verwies auf frühere biogeografische Analysen, nach denen Melonen eher in Asien entstanden. Domestikation sei unabhängig einmal in Nordostafrika und zweimal in Indien erfolgt; archäobotanische Hinweise ließen ein weiteres Ereignis in Südostasien China möglich erscheinen.
Die ältesten Melonenreste Chinas stammen den Autoren zufolge aus Han- und vorhanzeitlichen Königsgräbern im Süden und liegen rund 800 bis 1000 Jahre vor vergleichbaren Funden an nördlichen Seidenstraßen-Plätzen. Sowohl eine nördliche Route (Seidenstraße) als auch eine südliche (Tee-Pferde-Straße) seien historisch denkbar; das derzeitige Fundbild spreche stärker für den Süden. Ältere Befunde der Region müssten genauer geprüft werden.
Genomisch deuten die Song-zeitlichen Samen auf hellgrünes Fruchtfleisch und gelbe Schale. Solche Typen werden oft als Gemüse, leicht süße Frucht oder wegen der Kerne genutzt, nicht als zuckerreiche Dessertmelone. Im unteren Jangtse-Gebiet bestehe diese Küche als Essig- oder Gemüsemelone fort. Liu stellte die hellgrüne Farbe in eine kulturelle Nähe zu Jade und seladongrüner Keramik der Song-Zeit, die teils melonenförmig gearbeitet wurde. Das sei eine Interpretation paralleler Ästhetik, kein Nachweis gezielter Züchtung auf Porzellanton.
Altes Erbgut mit klaren Merkmalsveränderungen ist bei Kulturpflanzen selten; nur wenige Basenaustausche lassen sich oft fest einer Selektion zuordnen. Die Studie ergänzt Fälle wie Gerste, Weizen, Baumwolle, Mais und Bohnen. Sie belegt keine heutige Anbaupraxis und keine alleinige südchinesische Domestikation.

