Lancaster – Extreme Temperaturen und Wasserstress nehmen im Amazonasgebiet schneller zu als der Durchschnitt, und am stärksten betroffen ist nicht der bekannte südliche Entwaldungsgürtel, sondern der zentrale Norden. Das berichtet ein Team um Jos Barlow von der Lancaster University in „Communications Earth & Environment“ (DOI: 10.1038/s43247-026-03975-1). Partner waren unter anderem WWF UK und die brasilianische Agrarforschungsbehörde Embrapa. EurekAlert stellte die Arbeit am 9. September 2026 vor.
Untersucht wurden Temperatur und Wasserdefizit von 1981 bis 2023 für das gesamte Biom, unterteilt in Zellen von elf Kilometern Kantenlänge. Satelliten- und Stationsdaten dienten dazu, die Trockenzeit lokal festzulegen. Ein Wasserdefizitmaß berücksichtigte den temperaturebedingten Wasserverlust. Die Autoren verglichen die mittlere Entwicklung („central tendency“) mit einer Kenngröße für Extremjahre („extreme tendency“).
Im Mittel erwärmt sich das Amazonasgebiet demnach um 0,21 Grad Celsius pro Jahrzehnt, ähnlich dem globalen Durchschnitt. Der Süden bleibt bei den Mittelwerten die am schnellsten wärmer werdende Region. Bei den Extremen führt jedoch der zentrale Norden. Auf rund zehn Prozent der Beckenfläche – mehr als 700.000 Quadratkilometer – stiegen die Trockenzeit-Extreme um mindestens 0,75 Grad pro Jahrzehnt und um mehr als 3,22 Grad seit 1981. Die Raten der Extreme liegen deutlich über denen der Mittelwerte; betroffene Regionen fallen auseinander.
Barlow betonte, Schaden entstehe vor allem in den heißesten und trockensten Phasen durch Brände, Niedrigwasser, Luftbelastung und Hitze für Menschen, Tiere und Bäume. Weil das Gebiet mit dem schnellsten Extrem-Anstieg fern des Entwaldungsbogens liege, erklärten lokale Landnutzung allein die Entwicklung nicht; verantwortlich seien vor allem globale Emissionen. Joice Ferreira (Embrapa) verwies auf Folgen für lokale Lebensgrundlagen, etwa Açaí, Ernährungssicherheit und geplante Restaurationspolitik. Mike Barrett (WWF-UK) forderte neben Emissionsminderung ein Ende der Entwaldung und Instrumente wie die Tropical Forest Forever Facility.
Die Autoren raten zu Anpassung, Brandbekämpfung und Hilfe bei trockenen Flüssen, auch mit Blick auf ein mögliches starkes El Niño 2026. Ob 2026 ein „Super-El-Niño“ eintritt, ist keine Messung der Studie, sondern Kontext der Mitteilung. Die Analyse ist beobachtend; sie trennt globale und lokale Treiber nicht experimentell. Ob Schwellen für einen Amazonas-Kipppunkt überschritten sind, weist die Arbeit nicht nach.
Credits
Cássio Alencar Nunes

