TU Graz macht Rohstoffe in Bestandsbauten per Adresseingabe schätzbar

Durch | September 11, 2026
Bildquelle: Lang.lebig Fotografie

Graz – Ein neues Werkzeug soll zeigen, welche Rohstoffe in bestehenden Gebäuden stecken. Das Institut für Architekturtechnologie der TU Graz hat den „Urban Mining Screener“ gemeinsam mit dem Partner Revitalyze entwickelt. Vorerst gilt er für Österreich. Ausgelesen werden sollen unter anderem Beton, Ziegel und Holz.

Kreislaufwirtschaft soll Rohstoffverbrauch und Emissionen senken. Wiederverwendung und Recycling können Kosten sparen. Projektleiter Matthias Lang-Raudaschl vom Institut für Architekturtechnologie nennt den Nutzen für Rückbauunternehmen, Hersteller von Recyclingbeton und Bauträger. Sie könnten Logistik, Produktion und die Weiterverwendung von Teilen wie Holzträgern oder Fenstern besser planen.

Das Verfahren verknüpft öffentliche Geodaten mit Gebäudearchetypen. Ein Algorithmus nutzt dreidimensionale Angaben aus OpenStreetMap. Daraus werden Grundfläche, Umfang und Höhe bestimmt. Diese Werte werden einem von 154 Archetypen zugeordnet. Die Archetypen stammen aus der Arbeitsgruppe Nachhaltiges Bauen am Institut für Tragwerksentwurf der TU Graz. Hinterlegt sind Kennwerte zu Baujahr, Material und Energieklasse. Drei Stufen von Umbaumaßnahmen sollen Abweichungen vom Ursprungsbestand abbilden.

Nutzerinnen und Nutzer geben in einer Maske eine Adresse ein. Das Tool liefert dann eine Schätzung der verbauten Materialien. In einem Test an einem realen Gebäude lag die Einschätzung bei mineralischen Baustoffen recht nah. Bei Kunststoffen und komplexen Metallteilen wie Handläufen war sie ungenauer. Solche Elemente sind in den Archetypen noch nicht abgebildet. Das Team will nachbessern.

Lang-Raudaschl sieht das Potenzial einer schnellen Alternative zu aufwendigen Messungen. Auf Stadt- oder Regionsebene könne die Darstellung rascher gelingen. Die Genauigkeit könne dort sogar höher liegen als beim Einzelgebäude. Die Daten sollen Simulationen künftiger Baustoffströme stützen.

Die Dateien liegen öffentlich auf GitHub. Der Screener ist ein Schätzmodell. Er ersetzt keine Gebäudeaufnahme vor Ort. OpenStreetMap und Archetypen können vom tatsächlichen Bestand abweichen. Eine begutachtete Fachpublikation nennt die Mitteilung nicht.

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