Projekt zu invasiver Ameisenart soll Antworten über Ausbreitung und Genomik liefern

Durch | April 22, 2025
Credits: A. Bellersheim, SMNS

Die Staatlichen Museen für Naturkunde in Stuttgart und Karlsruhe leiten seit Jahresbeginn ein umfassendes Forschungsprojekt mit dem Ziel, die Ausbreitungsmechanismen der Ameisenart Tapinoma magnum zu verstehen und darauf aufbauend Prognosen für ihre zukünftige Ausbreitung zu treffen. Zudem sollen effektive Strategien zur Bewältigung der Invasion von Tapinoma magnum entwickelt werden. Im Rahmen des Projekts fand am 11. April 2025 ein Auftaktworkshop in Offenburg statt.

Credits: A. Bellersheim, SMNS
Credits A Bellersheim SMNS

Die zunehmende Ausbreitung der aus dem Mittelmeerraum stammenden Ameisenart Tapinoma magnum stellt eine erhebliche Bedrohung für die bauliche und technische Infrastruktur in Baden-Württemberg und weiteren Teilen Deutschlands dar. In Kehl hat die Bildung von Superkolonien bereits zu Beeinträchtigungen von Strom- und Internetverbindungen geführt. Auch zahlreiche Nachbargemeinden melden gravierende Probleme.

Auf Initiative von Bernd Mettenleiter (Bündnis 90/Die Grünen), Landtagsabgeordneter des Wahlkreises Kehl, und unterstützt durch das Umweltministerium Baden-Württemberg, leiten die Staatlichen Museen für Naturkunde in Stuttgart und Karlsruhe seit Jahresbeginn ein umfassendes Forschungsprojekt. Ziel ist, die Ausbreitungsmechanismen der Ameisenart Tapinoma magnum zu verstehen und darauf aufbauend Prognosen für ihre zukünftige Ausbreitung zu treffen. Zudem sollen effektive Strategien zur Bewältigung der aggressiven Invasion von Tapinoma magnum entwickelt werden.

Im Zentrum der Diskussionen standen mehrere Hauptanliegen: die Erforschung der Ausbreitungsdynamik von Tapinoma magnum durch genomische und ökologische Studien, die Notwendigkeit der formellen Anerkennung als invasive Art, umfassende Aufklärungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen für die Öffentlichkeit sowie die Vernetzung und gemeinsame Initiativen der beteiligten Akteure. Zudem wurde großer Wert auf die aktive Mitwirkung der Bevölkerung bei der Erfassung von Vorkommen gelegt. Basierend auf diesen Erkenntnissen und weitreichender Grundlagenforschung planen die teilnehmenden ExpertInnen, Handlungsempfehlungen für betroffene Kommunen und BürgerInnen zu entwickeln. Diese sollen praxisnahe Anleitungen zur Identifizierung, Begrenzung und Eindämmung der Invasion sowie Best-Practice-Beispiele zum Schutz kritischer Infrastrukturen bieten. Ergänzend dazu ist die Erstellung eines Bestimmungsschlüssels und eines Meldeportals für Tapinoma-Befälle vorgesehen.

Über das Projekt

„Genomische und ökologische Analysen der Ausbreitung der invasiven Ameisenart Tapinoma magnum in Baden-Württemberg als Grundlage für ein effektives Management“

Die aus dem Mittelmeergebiet stammende Ameisenart Tapinoma magnum bildet riesige Superkolonien und bedroht zunehmend Gebäude und Infrastruktur in Baden-Württemberg und anderen Regionen Deutschlands. Das „Tapinoma-Projekt“ bündelt daher die Expertise der Staatlichen Naturkundemuseen Stuttgart und Karlsruhe mit Citizen Science, um diese Herausforderung zu bewältigen. Ein moderner Forschungsansatz, basierend auf genomischen und ökologischen Untersuchungen, soll die Dynamik der Invasion analysieren, um langfristig effektive Managementstrategien zu entwickeln. Geplant sind die Koordination und Vernetzung mit Regionen in Deutschland, der Schweiz und Frankreich, um den Schaden weiter einzudämmen. Workshops werden den Austausch fördern und zukünftige biologische Überwachungsinitiativen unterstützen.

Folgende Arbeitsschwerpunkte sind geplant

Erstellung eines Referenzgenoms:

Die Forschenden wollen mit Hilfe der Langzeit-Genomsequenzierung ein qualitativ hochwertiges Referenzgenom für die invasive Linie von Tapinoma magnum erstellen. Mit Hilfe dieses Genoms können genetische Marker identifiziert werden, die eine Unterscheidung der Populationen in den Invasionsgebieten ermöglichen. Dies erleichtert die Überwachung und Nachverfolgung der Invasion. Die Zusammenarbeit der Expert*innen der Staatlichen Museen für Naturkunde Stuttgart und Karlsruhe stellt hierbei eine zuverlässige Bestimmung und langfristige Sammlung von Beleg- und Vergleichsexemplaren sicher.

Einbindung von Citizen Scientists zur Kartierung der Verbreitung:

BürgerInnen werden aufgerufen, Exemplare von Tapinoma magnum zu sammeln, die Sammeldaten zu dokumentieren und ihre Funde über das Naturportal Südwest (www.naturportal-suedwest.de) zu melden. Die Einbindung von BürgerInnen (Citizen Science) in die naturwissenschaftliche Forschung ermöglicht die Abdeckung großer geografischer Bereiche Baden-Württembergs. Die gesammelten Daten bilden die Basis für die räumliche und zeitliche Nachverfolgung der Invasion.

Evolutionäre Genomik der Invasion:

Eine Genotypisierung von Individuen aus heimischen und invasiven Populationen ermöglicht es, die Quellen der Invasion zu identifizieren. Das Zusammenwachsen verschiedener Kolonien kann dokumentiert und geographische Barrieren, die die Ausbreitung einschränken, können identifiziert werden. Zusätzlich zu diesen geplanten Schritten wird das Projekt auch das Ausmaß des „Gründereffekts“ und die nachfolgende demographische Expansion während der Invasion von Tapinoma magnum bewerten. Diese Analyse wird wichtige Einblicke in die genetische Entwicklung und die Anpassungsfähigkeit der invasiven Ameisenpopulation liefern, die für das Verständnis der Ausbreitungsdynamik entscheidend sind.

Modellierung der zukünftigen Ausbreitung:

Mit Hilfe ökologischer Daten aus heimischen und invasiven Gebieten werden die Forschenden Umweltvariablen identifizieren, die das Vorkommen von Tapinoma magnum beeinflussen. Durch die Einbeziehung von Klimadaten und Stadtentwicklungsplänen wird zudem modelliert, ob und wie die Invasion der Ameisenart durch neue Anpassungen oder Veränderungen der Umweltbedingungen wie Klima oder städtische Expansion begünstigt wird. Dieses Modell ermöglicht es, unter Berücksichtigung verschiedener Zukunftsszenarien vorherzusagen, in welchen geografischen Gebieten eine Ausbreitung am wahrscheinlichsten ist. Über ein Ampelsystem bilden diese Modelle die Grundlage für eine Risikoanalyse für Städte und Gemeinden.

Bereitstellung der Forschungsergebnisse für die Öffentlichkeit:

Die ExpertInnen möchten auf der Grundlage ihrer Forschungsergebnisse eine Handlungsempfehlung (White Paper) für betroffene Kommunen mit praktischen Hinweisen zum Erkennen, Abbremsen und Eindämmen von Invasionen sowie Best-Practice-Beispielen für den passiven Schutz kritischer Infrastrukturen erstellen. Für Privatpersonen wird ein Leitfaden mit Bestimmungsschlüssel und in Abstimmung mit der LUBW ein Meldeportal mit Möglichkeiten zur Registrierung eines Tapinomabefalls erstellt. Die Projektergebnisse werden auf einer Abschlusstagung mit VertreterInnen aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft diskutiert.

Lesen Sie auch

Schifffahrt schadet der Biodiversität in Europas Flüssen | Pugnalom

Wirbellose Tiere haben Berliner und Brandenburger Gewächshäuser erobert | Pugnalom

Autoren-Avatar
LabNews Media LLC
LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände