
Osterode am Harz liegt am Rand des bedeutendsten Gipskarstgebiets Mitteleuropas, das vom Bundesamt für Naturschutz als Hotspot der biologischen Vielfalt Nr. 18 („Südharzer Zechsteingürtel, Kyffhäuser und Hainleite“) ausgewiesen ist – einer der nur 30 „Schatzkästen der Natur“ in Deutschland. Diese einzigartige Karstlandschaft mit Höhlen, Dolinen, Erdfällen, Karstquellen und hoher Dichte bedrohter Arten ist durch den Bergbau massiv gefährdet – und, entgegen üblicher Behauptungen, durch keinerlei „Renaturierung“ wieder herstellbar.

Trotzdem vergibt die Stadt bei prestigeträchtigen kommunalen Bauprojekten wie der millionenschweren Sanierung und Modernisierung des ALOHA Aqualand-Schwimmbads (über 30 Millionen Euro) und der Schachtrupp-Villa (ca. 12 Millionen Euro) Aufträge an Firmen der Gips- und Baustoffindustrie und setzt weiterhin auf konventionelle Materialien – statt durch konsequente Bevorzugung naturgipsfreier Alternativen ein Signal für die Rohstoffwende, für die Region und für einen aktiven Natur- und Heimatschutz zu setzen.
Auf diese Weise fließen öffentliche Mittel indirekt in eine Branche, die den lokalen Biodiversitätshotspot Stück für Stück in eine Mondlandschaft verwandelt – ein eklatanter Widerspruch zur Verantwortung für ein Naturerbe von nationalem Rang, das Image und Lebensqualität der Region prägt.
Statt also Klüngel und Subventionierung von Konzernen durch die Hintertür bräuchte es eine klare kommunale Selbstverpflichtung auf naturgipsfreie öffentliche Bauten und einen Fokus auf Naturerhalt, um wenigstens die Reste dieser einmaligen Landschaft für kommende Generationen zu bewahren und den Menschen vor Ort eine klare und wirtschaftlich gerechte Perspektive zur Nutzung beispielsweise über sanften Tourismus zu bieten.
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