Malaria: Anopheles-Arten in Europa – aktueller Überblick

Durch | August 26, 2026
Crane fly with long legs perched on a dew-speckled green leaf in a garden setting.

In Europa kommen zahlreiche Anopheles-Arten vor. Die Gattung umfasst weltweit ca. 420 Arten; in Europa sind etwa 15–20 Arten bzw. Artenkomplexe relevant. Viele davon gehören zum schwer unterscheidbaren Anopheles-maculipennis-Komplex. Die wichtigsten potenziellen Malaria-Vektoren sind weiterhin präsent, obwohl autochthone Malaria in den meisten europäischen Ländern seit den 1960er/70er-Jahren ausgerottet ist.

Wichtige Arten und Komplexe

1. Anopheles-maculipennis-Komplex (historisch die wichtigsten Malaria-Überträger Europas)
Dazu gehören u. a.:

  • An. maculipennis s.s.
  • An. atroparvus
  • An. messeae / An. daciae (oft zusammengefasst)
  • An. labranchiae
  • An. sacharovi
  • An. melanoon
  • An. beklemishevi

Verbreitung: Weit verbreitet in ganz Europa.

  • An. messeae/daciae und An. maculipennis s.s. sind besonders häufig in Mittel- und Nordeuropa.
  • An. atroparvus historisch dominant in Nordwest- und Mitteleuropa (heute teils rückläufig).
  • An. labranchiae und An. sacharovi eher südeuropäisch/mediterran und südosteuropäisch.

2. Anopheles plumbeus
Sehr weit verbreitet (nachgewiesen in ca. 29 Ländern). Larven oft in Baumhöhlen. Wird inzwischen als potenziell bedeutenderer Vektor eingeschätzt.

3. Anopheles claviger s.l.
Weit verbreitet in Mittel- und Südeuropa.

4. Anopheles hyrcanus s.l.
Vorwiegend Südeuropa und Südosteuropa; in den letzten Jahren auch nördlichere Funde (z. B. Deutschland, Polen, Tschechien, Österreich). Als potenziell wichtiger Vektor eingestuft.

5. Weitere Arten

  • An. superpictus (Südosteuropa)
  • An. algeriensis (eher südlich, nördliche Grenze in Norddeutschland)
  • An. petragnani (südwesteuropäisch, vereinzelt in Deutschland nachgewiesen)

Situation in Deutschland

Einheimisch bzw. nachgewiesen sind vor allem:

  • An. plumbeus
  • An. claviger
  • An. algeriensis
  • Arten des maculipennis-Komplexes: An. maculipennis s.s., An. messeae, An. daciae, An. atroparvus (letztere seltener)

An. hyrcanus wurde in den letzten Jahren erstmals in Deutschland (Oderbruch) nachgewiesen – bisher die nördlichsten Funde weltweit.

Vektorkompetenz und aktuelles Risiko

Aktuelle Bewertungen (Systematik-Review 2000–2021) stufen die relative Bedeutung neu ein:
Höhere potenzielle Bedeutung: An. hyrcanus s.l., An. labranchiae, An. plumbeus, An. sacharovi
Mittlere Bedeutung: An. messeae/daciae, An. maculipennis s.s.
Geringere Bedeutung: An. atroparvus, An. superpictus (u. a. wegen geringer Anthropophilie).

Die meisten europäischen Anopheles-Arten können Plasmodium vivax (und teilweise andere Arten) übertragen. Für P. falciparum (Malaria tropica) sind die europäischen Arten in der Regel weniger effiziente Vektoren als tropische Anopheles.

Wichtiger Kontext: Trotz der Anwesenheit der Mücken kommt es in Europa praktisch nicht zu stabiler autochthoner Übertragung. Fast alle Malariafälle sind importiert. Seltene Ausnahmeformen sind Flughafenmalaria (importierte infizierte Mücken) oder sehr vereinzelte „Gepäckmalaria“.

Quellen und Karten

Aktuelle Verbreitungskarten führt das ECDC (VectorNet) für An. maculipennis s.l., An. plumbeus, An. claviger s.l. und An. superpictus. Die Daten werden regelmäßig aktualisiert (Stand der verfügbaren Karten: April 2026).

Kurzfazit: Anopheles-Mücken sind in Europa weiterhin weit verbreitet und potenziell fähig, Malaria zu übertragen. Das tatsächliche Übertragungsrisiko bleibt jedoch sehr gering – die Anwesenheit der Vektoren allein führt nicht zu endemischer Malaria.

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Anopheles Mücke in Deutschland Symbolbild KI generiert Credits LabNews Media LLC
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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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