Die Atmosphäre ist ein wichtiges Transportmedium, das Mikroplastik selbst in die entlegensten Winkel der Erde befördert. Dieses Mikroplastik kann eingeatmet werden und stellt ein Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier dar. Es kann sich auch aus der Atmosphäre absetzen und Ozeane und Böden weltweit verschmutzen. Eine neue Studie des Instituts für Meteorologie und Geophysik der Universität Wien schätzt die Mikroplastikemissionen aus landbasierten und ozeanischen Quellen in die Atmosphäre anhand globaler Messdaten und Modellsimulationen. Das Ergebnis: Über 20-mal mehr Mikroplastikpartikel werden vom Land als vom Meer freigesetzt. Die Studie wurde kürzlich in Nature veröffentlicht .
Es ist mittlerweile gut belegt, dass die Atmosphäre weltweit mit Mikroplastikpartikeln verschmutzt ist, die sich dann selbst in den entlegensten Gebieten der Erde absetzen. Das Mikroplastik stammt aus primären Quellen wie Reifenabrieb oder Textilfasern sowie aus der Aufwirbelung bereits kontaminierter Böden oder des Meeres. Das Ausmaß dieser Emissionen und ihre Verteilung auf die verschiedenen Emissionsquellen waren jedoch bisher unbekannt. In früheren Studien wurde das Meer häufig als Hauptquelle genannt.
Zur Studie: Systematischer Vergleich von Modellberechnungen und Messungen.
In der vorliegenden Studie trugen Ioanna Evangelou, Silvia Bucci und Andreas Stohl von der Universität Wien 2.782 weltweit verteilte Einzelmessungen von Mikroplastik in der Atmosphäre aus der Fachliteratur zusammen. Die Meteorologen verglichen diese Messungen anschließend mit Simulationen eines Transportmodells, das drei verschiedene publizierte Emissionsschätzungen verwendete. Die Wissenschaftler stellten fest, dass das Modell die Anzahl der Mikroplastikpartikel in der Atmosphäre und deren Ablagerung auf der Erdoberfläche sowohl über Land als auch über dem Meer um mehrere Größenordnungen überschätzt. Mithilfe dieser systematischen Diskrepanz zwischen Modellergebnissen und Beobachtungen konnten die Wiener Forscher die Emissionen für Land und Meer separat neu skalieren. Dies führte zu verbesserten Emissionsschätzungen.
Insbesondere zeigte sich, dass die Anzahl der über Land emittierten Partikel deutlich nach unten korrigiert werden musste, um die Modellergebnisse mit den Messungen in Einklang zu bringen. Auch die Emissionen über das Meer wurden deutlich überschätzt. Auf die Frage, woher die meisten Mikroplastikpartikel in die Atmosphäre gelangen, erklärt Studienleiter Andreas Stohl: „Die nun skalierten Emissionsschätzungen zeigen, dass über 20-mal mehr Mikroplastikpartikel an Land als aus dem Meer freigesetzt werden.“ „Die freigesetzte Masse ist jedoch über dem Meer tatsächlich höher als über Land, was auf die größere durchschnittliche Größe der Partikel im Meer zurückzuführen ist“, ergänzt Erstautorin Ioanna Evangelou.
DOI: 10.1038/s41586-025-09998-6
https://www.nature.com/articles/s41586-025-09998-6

