Wasserstoffbezugskosten 2035: Kraftwerke deutlich teurer als Industrieabnehmer

Durch | Juli 1, 2026
Industrie: Bandbreite der Wasserstoffbezugskosten im Jahre 2035 | Quelle: Fraunhofer CINES | Copyright: Fraunhofer CINES

Abnehmer von Grünem Wasserstoff in Deutschland müssen 2035 mit erheblichen Unterschieden bei den Bezugskosten rechnen. Während industrielle Verbraucher vergleichsweise moderate Infrastrukturkosten für Transport und Speicherung haben, fallen diese für Wasserstoffkraftwerke deutlich höher aus. Das zeigt eine Analyse des Fraunhofer IEG im Rahmen des Fraunhofer-Exzellenzclusters CINES.

Die Forschenden haben erstmals systematisch nicht nur die Erzeugungskosten von grünem Wasserstoff, sondern auch die Kosten für Transport und Speicherung berechnet. Für stromgeführte Wasserstoffturbinen entsteht der Bedarf genau dann, wenn grüner Wasserstoff nicht erzeugt wird. Er muss daher vollständig aus Speichern bedient werden, was die Kosten stark steigen lässt. Hinzu kommen Netzentgelte für das Wasserstoffkernnetz, die bei geringer Auslastung pro Kilogramm ausgespeistem Wasserstoff deutlich höher ausfallen.

Insgesamt müssen Kraftwerksbetreiber mit Netzanschluss mit 8,77 bis 15,16 Euro je Kilogramm rechnen (265–460 Euro pro MWh). Rund die Hälfte davon entfällt auf Infrastruktur. Für industrielle Abnehmer mit zeitlich konstanter Abnahme (Bandlast) liegen die Bezugskosten 2035 bei 4,41 bis 8,43 Euro je Kilogramm. Bei flexibler Nutzung, die sich an Erzeugungszeiten anpasst, entfallen Speicher- und Transportkosten weitgehend.

Wasserstoff gelte als Schlüsseltechnologie für die Dekarbonisierung, doch meist werden nur die Erzeugungspreise betrachtet, sagte Dr. Benjamin Pfluger vom Fraunhofer IEG. Die Studie zeige die Unterschiede zwischen industrieller Bandlast, flexiblen Industrieprozessen, Kraft-Wärme-Kopplung und Kraftwerken.

Die Ergebnisse sollen Abnehmern und Erzeugern helfen, besser für die Zukunft gerüstet zu sein. Die Forschenden beraten Unternehmen mit Analysen, die Kostenbandbreiten in Abhängigkeit von Regulatorik, technischer Auslegung und Energiesystementwicklung berücksichtigen.

Die Studie wird am 6. Juli in einem Webinar vorgestellt. Die vollständige Analyse ist auf der CINES-Website verfügbar.

Originalpublikation:
Wietschel, Martin; Jansen, Lukas; Pfluger, Benjamin; Frischmuth, Felix; Weissenburger, Bastian (2026): Anwendungsspezifische Wasserstoffbezugskosten in Deutschland 2035. Karlsruhe, Kassel, Cottbus, Berlin: Fraunhofer CINES. Download: https://www.cines.fraunhofer.de/de/publikationen/cines-bibliothek/Anwendungsspezifische-Wasserstoffbezugskosten-in-Deutschland-2035.html

Industrie: Bandbreite der Wasserstoffbezugskosten im Jahre 2035 | Quelle: Fraunhofer CINES | Copyright: Fraunhofer CINES
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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
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