Meeresspiegelanstieg bedroht Rügen

Durch | August 29, 2025

Der Klimawandel und der damit verbundene Meeresspiegelanstieg gefährden zunehmend die deutschen Küsten, insbesondere die Ostseeinsel Rügen. Laut einer Studie der HafenCity Universität (HCU) Hamburg könnten bis 2100 weite Teile Norddeutschlands, darunter 1160 Quadratkilometer Landfläche, überflutet werden, selbst bei bestehenden Küstenschutzmaßnahmen. Rund 7600 Menschen wären betroffen, vor allem in flachen Bodden- und Nehrungslandschaften wie der Halbinsel Mönchgut, der Schaabe, der Insel Ummanz sowie den Niederungen am Kubitzer und Schaproder Bodden. Die markanten Steilküsten Rügens, wie die Kreideküste im Nationalpark Jasmund, gelten hingegen als relativ sicher.

Gefährdete Regionen und historische Warnsignale
Die HCU-Simulation basiert auf einem Szenario des Weltklimarats (IPCC) mit einer Erderwärmung von etwa 3,7 Grad Celsius bis 2100. Besonders verwundbar sind flache Küstenabschnitte, die nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegen. Diese könnten bei Sturmfluten zu Schwachstellen werden. Die Insel Hiddensee, nordwestlich von Rügen, verdeutlicht das Risiko: Ihre Dünen bieten nur begrenzten Schutz, und ein Durchbruch könnte die Boddenlandschaft und Teile West-Rügens fluten. Die Ostseesturmflut im Oktober 2023, die Schäden in Millionenhöhe verursachte, etwa in Sassnitz, zeigt die Dringlichkeit. Ein historischer Vergleich mit Usedom, wo 1872 eine Sturmflut die Insel teilte, unterstreicht die Verletzlichkeit solcher Landschaften.

Rügen Credits NASA

Küstenschutz: Maßnahmen und Grenzen
Auf Rügen und Usedom werden bereits umfangreiche Küstenschutzmaßnahmen wie Sandaufspülungen, Buhnenbau und Deichunterhaltung umgesetzt. Auf Usedom wurden Millionen Euro in Sandaufspülungen investiert, etwa 500.000 Kubikmeter zwischen Zempin, Koserow und Kölpinsee, wodurch Strände bis zu 53 Meter breit entstanden. Auf Rügen hingegen sind die Maßnahmen selektiver: Zwischen Lobbe und Thiessow wurden 65.000 Kubikmeter Sand aufgespült, und im Kreis Vorpommern-Rügen werden 130 Kilometer Deichlinie regelmäßig gepflegt. Dennoch zeigen Modellstudien, dass die Schutzreserven von Deichen und Dünen bis 2100 oft weniger als einen halben Meter betragen, was bei zunehmenden Sturmfluten nicht ausreicht. Experten betonen, dass alleinige Erhöhungen von Schutzbauten nicht genügen. Flexible Strategien wie Polderflächen oder Rückzugsräume sind notwendig, um den Küstenschutz zukunftssicher zu gestalten.

Langfristige Herausforderungen und Notwendigkeit frühzeitiger Planung
Der Meeresspiegelanstieg wird durch das Schmelzen von Gletschern und Eisschilden sowie die thermische Ausdehnung des Meerwassers angetrieben. Laut dem IPCC könnte der globale Meeresspiegel bis 2100 um 0,3 bis über 1 Meter steigen, abhängig von den Treibhausgasemissionen. Für die Ostseeküste, wo regionale Faktoren wie die Landanhebung durch die Eisentlastung eine Rolle spielen, sind die Prognosen mit Unsicherheiten behaftet. Dennoch ist klar, dass die Vorbereitung auf den Anstieg jetzt beginnen muss. Neben technischen Maßnahmen wie Deichverstärkungen könnten natürliche Lösungen wie die Renaturierung von Salzwiesen eine ergänzende Rolle spielen, auch wenn ihr Beitrag begrenzt ist. Die Integration von Risikokarten in die Bauleitplanung wird ebenfalls entscheidend sein, um gefährdete Gebiete wie Mönchgut oder die Schaabe langfristig zu schützen.

Die Bedrohung durch den Meeresspiegelanstieg ist kein Szenario der fernen Zukunft, sondern erfordert bereits heute entschlossenes Handeln, um Rügens Küsten und Lebensräume zu bewahren.

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LabNews: Biotech. Digital Health. Life Sciences. Pugnalom: Environmental News. Nature Conservation. Climate Change. augenauf.blog: Wir beobachten Missstände
Autor: LabNews Media LLC

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