Kumulative Risiken durch EDCs und PFAS in der frühen Kindheit

Durch | Juni 14, 2026
Milk is being poured into a glass mason jar with a metal lid resting on its side on a pale background.

Hormonell wirksame Chemikalien (Endocrine Disrupting Chemicals, EDCs) und persistente PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) treten in der Realität nicht isoliert auf. Ihre gleichzeitige Exposition kann zu kumulativen Effekten führen, die das gesundheitliche Risiko für Säuglinge und Kleinkinder erhöhen können.

EDCs wie Bisphenole, Phthalate und Parabene stören das Hormonsystem bereits in niedrigen Konzentrationen. PFAS sind extrem langlebige „Ewigkeitschemikalien“, die sich im Körper anreichern und teilweise ebenfalls endokrine sowie immuntoxische Wirkungen zeigen. Beide Stoffgruppen werden über die Muttermilch auf den Säugling übertragen und sind in den ersten Lebensmonaten nachweisbar.

Wissenschaftliche Übersichtsarbeiten und Risikobewertungen weisen darauf hin, dass die kombinierte Belastung durch mehrere endokrin wirksame und persistente Substanzen zu additiven oder synergistischen Effekten führen kann. Das bedeutet: Auch wenn einzelne Stoffe unterhalb ihrer jeweiligen Grenzwerte liegen, kann die Gesamtbelastung durch die Mischung problematisch sein. Besonders in sensiblen Entwicklungsphasen wie der Schwangerschaft und den ersten Lebensmonaten können solche kumulativen Effekte die Hirnentwicklung, das Immunsystem und den Stoffwechsel beeinflussen.

Systematische Reviews und wissenschaftliche Stellungnahmen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) haben wiederholt festgestellt, dass die derzeitige Einzelsubstanz-Bewertung die tatsächlichen Risiken durch chemische Mischungen oft unterschätzt. Für PFAS und bestimmte EDCs liegen Hinweise auf gemeinsame Wirkmechanismen vor, die sich gegenseitig verstärken können.

„Die gleichzeitige Exposition gegenüber mehreren endokrin wirksamen Substanzen und persistenten Chemikalien wie PFAS kann zu kumulierten Effekten führen, die bei isolierter Betrachtung einzelner Stoffe möglicherweise unterschätzt werden“, betonen Experten. Besonders kritisch sei dies in den ersten Lebensmonaten, wenn das kindliche Hormon- und Immunsystem noch in der Entwicklung ist.

Die Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit, kumulative Risiken stärker in der regulatorischen Risikobewertung zu berücksichtigen. Die Europäische Union hat mit der Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit bereits entsprechende Weichen gestellt, die praktische Umsetzung gilt jedoch noch als anspruchsvoll.

Quellen (mit DOI-Links):

  • Gore AC et al. (2015). EDC-2: The Endocrine Society’s Second Scientific Statement on Endocrine-Disrupting Chemicals. Endocrine Reviews, 36(6), E1–E150. DOI: 10.1210/er.2015-1010
  • European Food Safety Authority (EFSA) Scientific Committee (2019). Guidance on harmonised methodologies for human health, animal health and ecological risk assessment of combined exposure to multiple chemicals. EFSA Journal, 17(3), e05634. DOI: 10.2903/j.efsa.2019.5634
  • World Health Organization / United Nations Environment Programme (WHO/UNEP) (2013). State of the Science of Endocrine Disrupting Chemicals – 2012. (Zusammenfassung und Updates verfügbar über WHO)
  • EFSA & ECHA (2023–2025). Arbeiten und Diskussionspapiere zur kumulativen Risikobewertung von Chemikalienmischungen (Mixture toxicity). Verfügbar über EFSA und ECHA.
Milk being poured into a glass mason jar on a white background, with the lid resting beside it.
Chemikalien wie PFAS und EDC belasten die Muttermilch und gefährden Babys Symbolbild Credits Unsplash
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