
Seit dem 28. Februar 2026, als die USA und Israel mit Luftangriffen auf Ziele im Iran den Konflikt eröffneten, der rasch zu einem Krieg eskalierte, hat die militärische Auseinandersetzung nicht nur menschliches Leid und infrastrukturelle Zerstörung verursacht, sondern auch erhebliche und teilweise langfristige Umweltschäden hinterlassen. Der Konflikt, der zeitweise die Straße von Hormus blockierte, Ölanlagen und Militärbasen traf sowie Gegenangriffe auf US-Stützpunkte und Schiffe in der Region auslöste, hat nach Einschätzung unabhängiger Beobachter Hunderte von Vorfällen mit potenziell schweren ökologischen Folgen hervorgebracht. Diese Schäden betreffen Luft, Boden, Wasser und Meeresökosysteme und könnten Jahrzehnte fortwirken.
Luftverschmutzung und der „schwarze Regen“ über Teheran
Besonders sichtbar wurden die Umweltfolgen durch Angriffe auf Öllager und Raffinerien in und um Teheran. Am 7./8. März 2026 trafen Schläge unter anderem die Anlagen in Shahran, Shahr-e Rey und weiteren Standorten. Millionen Liter Treibstoff und Ölprodukte brannten tagelang. Die resultierenden Rauchwolken enthielten Ruß, Schwefelverbindungen, Stickoxide, flüchtige organische Verbindungen (VOCs), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs) und weitere giftige Substanzen.
Wissenschaftler und Umweltbeobachter dokumentierten, dass sich diese Schadstoffe in einer Tiefdrucklage mit Feuchtigkeit verbanden und als „schwarzer Regen“ – eine ölige, saure und hochgradig kontaminierte Niederschlagsform – über der Region niedergingen. Bewohner berichteten von Kopfschmerzen, Atembeschwerden und öligen Rückständen auf Gebäuden und Fahrzeugen. Irans Umweltbehörde und das Rote Halbmond warnten vor der Gefährlichkeit des Regens. Die geografische Lage Teherans in einem Talkessel am Fuß des Elburs-Gebirges verstärkte die Anreicherung der Schadstoffe. Die Exposition betraf Millionen Menschen und birgt Risiken für Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie langfristig für Krebserkrankungen.
Ähnliche Brände und Rauchentwicklungen traten auch bei Angriffen auf andere Energieanlagen, darunter Teile des South-Pars-Gasfeldes, sowie bei Gegenangriffen in der Region auf.
Marine Verschmutzung und Bedrohung der Golf-Ökosysteme
Der Persische Golf – ein flaches, weitgehend abgeschlossenes Becken mit sensiblen Lebensräumen wie Korallenriffen, Seegraswiesen und Mangroven – ist besonders anfällig. Angriffe auf Tanker, Militärschiffe und Hafeninfrastruktur führten zu Öl- und Treibstofflecks. Satellitenbilder zeigten Ölflecken von mehreren Dutzend Quadratkilometern bei Kharg Island und vor Lavan Island; ein Leck vom beschädigten IRGC-Schiff Shahid Bagheri bedrohte die Mangroven des UNESCO-geschützten Hara-Biosphärenreservats.
Experten des Conflict and Environment Observatory (CEOBS) und anderer Organisationen warnten vor der langfristigen Sedimentkontamination mit Schwermetallen und toxischen Rückständen. Solche Verschmutzungen können Fischereien schädigen und Arten wie Meeresschildkröten bedrohen – vergleichbar mit den Folgen der Tankerkriege der 1980er Jahre und der Ölfelderbrände des Golfkriegs 1991, deren Auswirkungen teilweise bis heute nachweisbar sind. Auch Desalinierungsanlagen, von denen die Region für Trinkwasser abhängt, wurden getroffen oder durch Verschmutzung und Stromausfälle gefährdet.
Bodenschäden, Munitionsrückstände und geschützte Gebiete
Militärische Ziele – darunter Raketenbasen, Flugplätze und Munitionslager – freisetzen bei Treffern Treibstoffe, Öle, Schwermetalle (Blei, Cadmium, Nickel, Chrom), energetische Verbindungen und PFAS („Ewigkeitschemikalien“). Bei Flüssigtreibstoff-Raketen können hochgiftige Substanzen wie unsymmetrisches Dimethylhydrazin und rauchende Salpetersäure freigesetzt werden. Brände erzeugen zudem Dioxine und Furane.
CEOBS und PAX dokumentierten in den ersten Wochen bereits über 300 bis mehr als 400 umweltrelevante Vorfälle (später sogar über 500 innerhalb Irans plus weitere außerhalb), wobei Militäranlagen den größten Anteil stellten. Geschützte Gebiete wie Sefidkouh (Lorestan) und Haftad Gholleh (Markazi) erlitten Schäden an Vegetation und Biodiversität; Umweltstationen und Trainingszentren wurden getroffen. Bodenkontamination kann über die Nahrungskette in die Landwirtschaft gelangen und Grundwasser belasten.
Ein weiterer Vorfall betraf eine Fregatte bei Bandar Anzali, die Diesel und Schmierstoffe in das Kaspische Meer freisetzte.
Treibhausgasemissionen und klimarelevante Folgen
Eine Analyse des Climate and Community Institute bezifferte die Treibhausgasemissionen der ersten 14 Kriegstage auf rund 5,055 Millionen Tonnen CO?-Äquivalent. Das entspricht in etwa den Jahresemissionen Islands oder der kombinierten Emissionen der 84 emissionsärmsten Länder. Die größten Beiträge stammten aus der Zerstörung ziviler Gebäude (ca. 2,4 Mio. t), verbranntem Öl (ca. 1,88 Mio. t aus geschätzten 2,5–5,9 Mio. Barrel) und dem Treibstoffverbrauch von Flugzeugen und Schiffen. Andere Schätzungen für die US-Militäremissionen allein in den ersten sechs Tagen lagen noch höher.
Diese Emissionen belasten das globale Kohlenstoffbudget zusätzlich und können indirekt weitere fossile Energienutzung anreizen, falls Lieferengpässe entstehen.
Langfristige Perspektiven
Experten wie Kaveh Madani (UN University Institute for Water, Environment and Health) und Doug Weir (CEOBS) betonen, dass die Schäden – von kontaminiertem Boden und Wasser über zerstörte Küstenökosysteme bis zu Gesundheitsrisiken – Jahrzehnte anhalten können. Sanierung ist teuer und wird oft hinter humanitären und wirtschaftlichen Prioritäten zurückgestellt. Iran hat rechtliche Schritte wegen der Umweltschäden angekündigt und dokumentiert Schäden an geschützten Gebieten und Küsten.
Der Konflikt zeigt erneut, wie moderne Kriege – durch den gezielten oder kollateralen Treffer auf energieintensive Infrastruktur in einer ohnehin ökologisch sensiblen Region – Umweltzerstörung in einem Ausmaß erzeugen, das weit über das unmittelbare Kriegsgebiet hinausreicht und Generationen belasten kann. Die Dokumentation durch Satelliten, Open-Source-Intelligenz und Fachorganisationen bleibt entscheidend, um das volle Ausmaß zu erfassen und künftige Sanierungsmaßnahmen zu begründen.


