Ramat Gan (LabNews Media LLC) – Künstliches Licht bei Nacht (Artificial Light at Night, ALAN) stört den Schlaf von Rifffischen und könnte langfristig Auswirkungen auf ganze Korallenriff-Ökosysteme haben. Das zeigt eine Studie der Bar-Ilan University in Israel.
Die Forschenden untersuchten den Blauen Damselfish (Chromis viridis), einen häufigen Riffbewohner. Fische, die künstlichem Licht ausgesetzt waren, schliefen weniger, zeigten fragmentierten Schlaf, erhöhte Aggressivität und fraßen zu ungewöhnlichen Zeiten. Zudem dehnten sie ihr Aktivitätsgebiet aus und hielten sich nachts nicht mehr ausschließlich in ihren Korallenverstecken auf.
Nach nur wenigen Nächten mit künstlichem Licht fanden sich in den für schlafabhängige Funktionen zuständigen Hirnneuronen erhöhte Marker für DNA-Schäden. Die Effekte blieben auch während eines fünfmonatigen Freilandexperiments auf einem Korallenriff bestehen.
„Künstliches Licht bei Nacht breitet sich rasch in Küstenregionen weltweit aus“, erklärte Prof. Oren Levy. „Selbst relativ geringe Beleuchtungsstärken können natürliche Schlafrythmen stören und stehen im Zusammenhang mit Veränderungen neuronaler Gesundheit.“
Prof. Lior Appelbaum betonte: „Schlaf ist eine kritische Phase für biologische Reparaturprozesse. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Störung des Schlafs durch künstliches Licht messbare Folgen auch bei wildlebenden Meerestieren haben kann.“
Etwa 22 Prozent der weltweiten Küstenregionen und 35 Prozent der Meeresschutzgebiete sind bereits von künstlichem Licht betroffen. Die Forscher fordern verbesserte Beleuchtungskonzepte an Küsten, darunter die Reduzierung unnötiger nächtlicher Beleuchtung, die gezielte Ausrichtung von Lichtquellen und die Entwicklung wellenlängenspezifischer Richtlinien.
Da Korallenriffe auf eng vernetzten biologischen Interaktionen beruhen, könnten die Auswirkungen auf Fische und Korallen weitreichende Folgen für das gesamte Ökosystem haben. Die Studie wurde in einer Fachzeitschrift veröffentlicht.
Bar Ilan Universität

