Ann Arbor (LabNews Media LLC) – Der dramatische Rückgang der Insektenpopulationen hat direkte Auswirkungen auf die Größe und Fortpflanzung von Baumswalben. Das zeigt eine Langzeitstudie der University of Michigan, die in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wurde.
Seit 1977 sind die Insektenbestände am Long Point Bird Observatory in Kanada um mehr als 60 Prozent zurückgegangen. Die Forscherinnen und Forscher stellten fest, dass Baumswalben in dieser Zeit kleiner geworden sind und weniger Nachkommen produzieren. Die Gelegegröße der Vögel ist eng mit der Verfügbarkeit von Insekten verknüpft.
„Die Gelegegröße der Baumswalben hängt sehr stark von der Insektenverfügbarkeit ab. Wenn weniger Insekten vorhanden sind, werden die Vögel kleiner und produzieren auch weniger Junge“, erklärte Erstautorin Charlotte Probst.
Zusätzlich hat sich der zeitliche Abstand zwischen dem Brutbeginn der Vögel und dem Höhepunkt des Insektenaufkommens seit 1977 um mehr als drei Tage pro Jahrzehnt vergrößert. Dieser sogenannte phänologische Mismatch wird durch den Klimawandel verstärkt, da wärmere Winter zu einem früheren Schlüpfen der Insekten führen.
Die Forscher sehen den starken Rückgang der Insekten vor allem seit den 1990er-Jahren als Folge des zunehmenden Einsatzes von Neonicotinoid-Pestiziden, die besonders aquatische Insektenlarven schädigen – eine wichtige Nahrungsquelle für Baumswalben.
Seniorautor Brian Weeks betonte, dass der Biodiversitätsverlust eine ebenso große Rolle spiele wie der Klimawandel: „Es ist wichtig, den Klimawandel in einen breiteren Kontext zu stellen. In diesem Fall ist der Insektenrückgang das größere Problem für die Vögel.“
Die Studie unterstreicht, dass lokale Maßnahmen gegen den Insektenrückgang – etwa eine Reduzierung bestimmter Pestizide – schneller wirksam sein könnten als globale Klimaschutzmaßnahmen.
Universität Michigan

