Eine Landmasse, die sich vor etwa 150 Millionen Jahren vom Nordwesten Australiens löste und in den folgenden 100 Millionen Jahren nach Norden driftete, hat einer Studie zufolge die Grundlage für die außergewöhnlich vielfältigen tropischen Wälder Südostasiens gelegt. Wie die Curtin University mitteilte, untersuchte ein internationales Team mehr als 3.000 in Bernstein aus Myanmar konservierte Fossilien und fand eine vielfältige Pflanzengemeinschaft aus der Zeit vor rund 99 Millionen Jahren. Die Ergebnisse erschienen in „Nature Ecology & Evolution“ (DOI: 10.1038/s41559-026-03219-7).
Der Co-Autor der Studie, Byron Lamont von der Curtin University, sprach von einer bemerkenswerten Verbindung zwischen der geologischen Vergangenheit Australiens und dem Ursprung einer der artenreichsten tropischen Pflanzenregionen der Welt. Die Landmasse, der sogenannte West Burma Block, habe eine reiche tropische Flora mit sich geführt, die sich nahe dem Äquator über Jahrmillionen relativ isoliert entwickelt habe. Als sie vor etwa 50 Millionen Jahren mit Südostasien kollidierte, habe sie zur Grundlage der heutigen Pflanzenvielfalt beigetragen. „Das ist eine erstaunliche Geschichte“, sagte Lamont.
In dem Bernstein identifizierte das Team mindestens 392 morphologische Typen von Blütenpflanzen sowie eine Reihe von Farnen, Koniferen und anderen alten Pflanzengruppen. Die Vielfalt zähle zu den höchsten, die für eine einzelne fossile Pflanzengemeinschaft aus der frühen bis mittleren Kreidezeit dokumentiert seien, als noch Dinosaurier die Erde bevölkerten. Die Fossilien – Blüten, Früchte, Blätter und Samen – seien in außergewöhnlichem dreidimensionalem Detail erhalten und belegten eine blühende tropische Pflanzengemeinschaft vor 100 Millionen Jahren.
Da der West Burma Block über Jahrmillionen nahe dem Äquator nach Norden driftete, habe diese langanhaltende tropische Umgebung einen Rückzugsort geboten, in dem alte Pflanzenlinien überleben und sich diversifizieren konnten. Die Befunde stellten die lange geltende Annahme infrage, dass die vielfältigen Ökosysteme der Blütenpflanzen in Südostasien erst viel später entstanden seien. Sie zeigten vielmehr, dass sich Blütenpflanzen bereits in der Kreidezeit in äquatorialen Umgebungen umfassend diversifiziert hatten.

