Ein neuartiges Futtermittel könnte helfen, Honigbienenvölker nach der Bestäubung von Blaubeeren zu stärken. Darauf deutet eine Studie der Washington State University und des Unternehmens H4Bees hin, die im Fachjournal „Entomological Communications“ veröffentlicht wurde (DOI: 10.37486/2675-1305.ec08034). Demnach führte die Fütterung mit dem Produkt Nano-B-Feed zu einer statistisch signifikanten Vergrößerung der Bienenvölker im Vergleich zu einer Kontrollgruppe.
Washington produziert mehr Blaubeeren als jeder andere US-Bundesstaat, doch Landwirte haben teils Schwierigkeiten, Honigbienen für die Bestäubung zu bekommen. Grund ist unter anderem, dass Imker zögern, ihre Völker für Blaubeerfarmen bereitzustellen, weil es nach der Bestäubung vermehrt zu – bislang mysteriösen – Bienenverlusten gekommen ist. „Wir wissen nicht genau, warum es zu den Verlusten kommt, aber aus Angst meiden manche Imker die Bestäubungssaison für Heidelbeeren komplett“, sagte Lisa DeVetter, Professorin für Beerenobstbau am Northwestern Washington Research and Extension Center der Washington State University. Man wolle Imkern helfen, die Gesundheit ihrer Völker zu erhalten, und Blaubeerbauern die bestmögliche Ernte ermöglichen.
Das pulverförmige Ergänzungsfuttermittel wird am Eingang des Bienenstocks bereitgestellt und besteht aus einer Mischung aus Mineralien und organischen Verbindungen, vermischt mit Puderzucker. Alle Inhaltsstoffe sind laut Mitteilung von der US-Arzneimittelbehörde FDA als allgemein unbedenklich eingestuft. „Ich habe viele andere Produkte getestet, um zu sehen, ob wir die Nahrungssuche oder andere Wachstumsindizes steigern können. Dies ist eines der wenigen Male, in denen ich eine positive Reaktion gesehen habe“, sagte DeVetter. Da der Bienenstock für die Gabe nicht geöffnet werden müsse, sei die Anwendung weniger invasiv und einfacher.
Weitere Studien sind nötig, um genau zu verstehen, wie Nano-B-Feed wirkt. DeVetter und ihre Kollegen vermuten, dass es Bienen helfen könnte, Pestizid- und Fungizidrückstände zu entgiften. Blaubeerbauern setzten Fungizide ein, und Bienen könnten auch Insektizide aufnehmen, wenn sie in benachbarten Feldern anderer Kulturen Nahrung suchten. „Bienen kann man nicht auf einer Farm halten; sie fliegen herum“, sagte DeVetter. Die Entgiftung von Pestiziden aus angrenzenden Feldern dürfte einen sinnvollen Nutzen bringen; die Pestizidbelastung aus Blaubeerfeldern während der Blüte sei meist gering, da die Erzeuger Risiken für Bienen minimieren wollten.
H4Bees mit Sitz in Israel entwickelte das Pulver durch Tests verschiedener Inhaltsstoffkombinationen. „Das umfasste fast ein Jahrzehnt Feldversuche und die Zusammenarbeit mit Forschern, Erzeugern und Imkern“, sagte Mitautor Yuval Eshed, Technologiechef von H4Bees. Die Entwicklung habe in Israel begonnen, wo das Produkt inzwischen kommerziell bei Kulturen wie Äpfeln, Blaubeeren, Kirschen, Pflaumen, Kiwis, Mandeln und Saatgutkulturen wie Zwiebeln, Baumwolle und Kräutern eingesetzt werde. Das Unternehmen teste es zudem bei Kaffee in Vietnam, Avocados und Blaubeeren in Peru sowie Kulturen in mehreren afrikanischen Ländern. DeVetter und H4Bees planen für die Vegetationsperiode 2027 eine größere Studie, möglichst mit Bienenwissenschaftlern.
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