Eine aktualisierte Cochrane-Studie findet kaum Belege dafür, dass gängige ergonomische Maßnahmen am Arbeitsplatz bei arbeitsbedingten Beschwerden an Arm, Nacken oder Schulter helfen. Wie die Autoren um Poonam Mehta von der University of Technology Sydney berichten, zeigten ergonomische Interventionen im Vergleich zu keiner Behandlung keinen nennenswerten Nutzen hinsichtlich Schmerzen, Funktion, Genesung oder Krankheitsausfällen (DOI: 10.1002/14651858.CD014644.pub2).
Die Beschwerden, englisch CANS (Complaints of the Arm, Neck or Shoulder), entstehen durch repetitive Bewegungen, ungünstige Körperhaltungen oder äußere Einflüsse wie vibrierende Werkzeuge und betreffen Erwerbstätige weltweit in erheblichem Maße. Viele Unternehmen investieren stark in ergonomische Maßnahmen wie umgestaltete Büromöbel, Steh-Sitz-Schreibtische, spezielle Mäuse und Tastaturen oder biomechanische und ergonomische Schulungen.
Die Analyse umfasste 20 Untersuchungen, davon 16 zu unspezifischen computergestützten Schmerzsyndromen, mit insgesamt 2.478 Teilnehmenden, darunter viele, die beruflich häufig Computer nutzen. Kurzfristig hatten ergonomische Maßnahmen im Vergleich zu keiner Behandlung, Standardversorgung oder Placebo kaum oder gar keinen Einfluss auf Schmerzen, Funktionsstatus, Dauer der Krankschreibung oder den Genesungsprozess. Evidenz mit geringer Aussagekraft deutet auf mögliche Vorteile bei Lebensqualität und Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen hin, die Ergebnisse waren jedoch uneinheitlich. Insgesamt schienen ergonomische Ansätze weniger effektiv als Bewegung, obwohl in bestimmten Untergruppen wie Menschen mit Rotatorenmanschettenentzündung kleine Vorteile auftreten können.
„Als wir die besten verfügbaren Studien zusammenfassten, zeigten ergonomische Interventionen im Vergleich zu keiner Behandlung kaum oder gar keinen Unterschied hinsichtlich Schmerzen, Funktionsfähigkeit, Genesung oder Krankheitsausfällen“, sagte Mehta. Die Aussagekraft der Evidenz sei gering bis moderat, was deutlich darauf hindeute, dass die Wirksamkeit geringer sei als viele annähmen. Es brauche weitere Belege, da es in diesem Bereich nur wenige qualitativ hochwertige Studien gebe.
Ergonomische Maßnahmen könnten für Unternehmen eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen, sagte Mehta. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Maßnahmen allein nach aktuellem Kenntnisstand kurzfristig nicht zu einer Reduzierung von Schmerzen oder Krankheitsausfällen führen werden. Arbeitgeber sollten dies gegen die Kosten abwägen.“ Mitautor Peter Stubbs verwies auf methodische Mängel und ein hohes Risiko von Verzerrungen, was das Vertrauen in die Ergebnisse mindere. Daten zum Wiederauftreten von Verletzungen oder zu arbeitsbezogenen Folgen über den Krankenstand hinaus lagen kaum vor. Ergonomische Strategien könnten in bestimmten Untergruppen oder als Teil eines umfassenderen Arbeitsplatz- oder Rehabilitationsprogramms noch nützlich sein, die Beweislage sei jedoch begrenzt und unsicher. Die Autoren fordern qualitativ hochwertige, gut konzipierte Studien.

